4. RuSt NEXTGen: Die Zukunft im Legal selbst gestalten
Die NEXTGen war von Anfang an ein Erfolg. Mit dem gezielten Fokus auf die nächste Generation hat die RuSt Neuland betreten und den richtigen Nerv getroffen.
Ein besonderer Dank galt den Vortragenden, die das Programm mit ihrem Einsatz, ihren Beiträgen und ihrem Feedback mitgestalten. Bemerkenswert ist auch die Zusammensetzung des Publikums: Rund zwei Drittel waren heuer zum ersten Mal dabei. Die Idee dahinter ist klar: Aus den NEXTGen-Neulingen von heute sollen die Stammgäste der RuSt Klassik von morgen werden. So wächst die RuSt-Community über Generationen hinweg zusammen.
„Mastering Your Stress – Turn It into a Management Superskill“ Impuls von Nadine Rass
In ihrem Impulsvortrag zeigte die Profigolferin Nadine Rass, wie sich Stress gezielt regulieren und als Kompetenz für nachhaltige Leistungsfähigkeit nutzen lässt. Ausgehend von ihren Erfahrungen in einer männerdominierten Sportart zog sie Parallelen zwischen Profisport und beruflichen Herausforderungen. Ihre zentrale Botschaft: Stressmanagement ist kein abstraktes Zusatzthema, sondern ein messbarer Erfolgsfaktor.
Unter dem Leitgedanken „Move, Stretch, Breathe Out“ ermutigte sie dazu, kleine Bewegungen in den Alltag zu integrieren, etwa häufiger vom Schreibtisch aufzustehen, Treppen zu steigen oder kurze Wege zu Fuß zurückzulegen.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf unbewussten Verhaltensmustern, die unsere Reaktionen auf Belastungen maßgeblich beeinflussen. Rass bezeichnete diese bildhaft als „Affenebene“ und betonte, dass Motivation allein nicht ausreicht, um Veränderungen zu bewirken. Entscheidend sind konkrete Handlungen und Routinen, die auch unter Druck funktionieren.
Stressmanagement lässt sich trainieren und kann, ähnlich wie im Profisport einen wesentlichen Beitrag zu Leistungsfähigkeit und Resilienz leisten.
„Legal Rising Star – Die ersten 100 Tage als Head of Legal Europe bei TÜV SÜD“ Keynote von Patricia Leeb, TÜV SÜD
In ihrer Keynote reflektierte Patricia Leeb ihre ersten 100 Tage als Head of Legal Europe bei TÜV SÜD und beleuchtete die Herausforderungen und Chancen, die mit dem Schritt in eine Führungsposition verbunden sind. Im Mittelpunkt stand die Frage: Warum entscheidet man sich für mehr Reisen, höhere Verantwortung und zusätzlichen Stress bei gleichzeitig geringerer Unterstützung?
Besonders wichtig war es für sie, ein Unternehmen zu wählen, das Frauen aktiv unterstützt und auch die Vereinbarkeit von Karriere und Familie ermöglicht.
Was braucht es noch? Ein unterstützendes Team, auf das man sich verlassen kann. Das ist gerade in verantwortungsvollen Positionen unverzichtbar.
Zur Frage des Umganges mit KI-gestützen Systemen meinte sie, dass nicht Menschen durch KI ersetzt werden, man sich aber fragen sollte, welche Kompetenzen künftig entscheidend sind.
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3 Impulse von 3 starken Frauen, die sehr früh in Führungsverantwortung gekommen sind.
Impuls 1: „Führen unter Druck – Learnings aus internationalen M&A-Transaktionen“, Claudia Fochtmann-Tischler, Baker McKenzie
Claudia Fochtmann-Tischler berichtete über die Herausforderungen beim Einstieg in eine Führungsposition, insbesondere hinsichtlich Projekt- und Budgetplanung. Entscheidend ist es, Verantwortlichkeiten klar zu verteilen und Leistungen rechtzeitig einzufordern, ohne ins Mikromanagement zu verfallen oder sämtliche Aufgaben selbst zu übernehmen.
Ebenso wichtig ist eine klare und rechtzeitige Kommunikation, gerade auch bei unangenehmen Nachrichten. Was im eigenen Kopf vorgehe, sei für andere nicht automatisch sichtbar. Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und in das Team bilde die dritte Säule erfolgreicher Führung.
Impuls 2: „Vom Rekordstudium zur Zukunft des Rechts im KI-Zeitalter“, Larissa Arthofer, Universität Wien
Larissa Arthofer schilderte die Erfolgsfaktoren ihres in der 600jährigen Geschichte der Uni einzigartig schnelle Jus-Studiums an der Universität Wien. Neben Motivation und Durchhaltevermögen hob sie die Bedeutung von Vorbildern, Mentorinnen und einem unterstützenden Netzwerk hervor. Gleichzeitig seien Stressmanagement und die Vermeidung von Überlastung entscheidend für langfristigen Erfolg.
Sie plädierte dafür, bestehende rechtliche Konzepte neu zu denken und geeignete Antworten auf technologische Entwicklungen aktiv zu gestalten.
Impuls 3: „Meta-Skills: Was uns zukunftsfähig hält, wenn sich alles verändert“, Stefanie Thuiner, MYFLEXBOX
Stefanie Thuiner beleuchtete die Auswirkungen künstlicher Intelligenz auf juristische Tätigkeiten. Wenn KI zunehmend fachliche Aufgaben übernimmt, verliert juristische Expertise ihren bisherigen Sonderstatus. Umso wichtiger werden Lernfähigkeit und Anpassungsbereitschaft, während steigende Erwartungen und begrenzte Ressourcen zusätzliche Herausforderungen schaffen.
Als entscheidende Zukunftskompetenzen nannte sie unter anderem Relevanzintelligenz, Architekturdenken, Disruptionskompetenz, Implementierungsdisziplin, Kontextkompetenz, Antizipationsfähigkeit und die Fähigkeit, tragfähige Lösungsallianzen zu bilden.
Abschlussdiskussion: „Unternehmensentscheidungen & Konsequenzen: Zwischen Recht, Risiko und Verantwortung“
Georg Durstberger (OMV) | Florian Neumayr (bpv Hügel) | Moderation: Martin Reichetseder (TGW Logistics)
Die Abschlussdiskussion widmete sich der Frage, wie gute Entscheidungen unter Unsicherheit getroffen werden und welche Verantwortung damit einhergeht. Im Mittelpunkt standen die Bedeutung strukturierter Entscheidungsprozesse, der bewusste Umgang mit Risiken und die besonderen Herausforderungen bei Entscheidungen für andere.
- Entscheidungen sind nicht immer nur juristisch. Oft stehen Menschen, Interessen und persönliche Konsequenzen im Mittelpunkt dafür gibt es kein Handbuch. Erfahrung und mitunter auch Lehrgeld gehören zum Lernprozess.
- Entscheidungskompetenz lässt sich entwickeln. Eine gute Entscheidungsgrundlage bilden fundierte Informationen, deren strukturierte Bewertung und der Austausch mit anderen.
- Besser eine Entscheidung als keine Entscheidung. Wie Florian Neumayr anhand seiner Erfahrungen betonte, entsteht Entscheidungskompetenz auch durch praktische Erfahrung. Letztlich prägt die Lebensrealität das eigene Urteilsvermögen.
- Nicht jeder Konflikt muss ausgetragen werden. Sich bewusst herauszuhalten oder eine neutrale Position einzunehmen, kann sinnvoll sein – insbesondere dann, wenn auf keiner Seite ein konstruktiver Gewinn zu erwarten ist.
- Wer für andere entscheidet, trägt eine besondere Verantwortung. Ob in der anwaltlichen Beratung oder als Legal Counsel im Unternehmen: Es gilt, unterschiedliche Handlungsoptionen aufzuzeigen und diese an der jeweiligen Risikobereitschaft auszurichten.
- Risiken müssen ganzheitlich bewertet werden. Analog zu Finanzinvestitionen sollten neben möglichen Chancen stets auch potenzielle Schäden berücksichtigt werden. Entscheidend ist, Risiken und Konsequenzen konkret und verständlich zu kommunizieren.
- Künstliche Intelligenz entbindet nicht von Verantwortung. Auch wenn der Begriff anderes vermuten lässt, bleibt KI ein Werkzeug, das von Menschen eingesetzt wird. Die Verantwortung für die Nutzung und die daraus resultierenden Entscheidungen liegt daher weiterhin bei den handelnden Personen.
- Verantwortung bedeutet auch, zu Entscheidungen zu stehen. Das gilt selbst dann, wenn sich eine Entscheidung im Nachhinein als falsch erweist. Entscheidend ist, die Konsequenzen anzuerkennen und aus den eigenen Erfahrungen zu lernen.
Am Abend vereinigte sich dann das Publikum der NEXTGen mit dem neu hinzu kommenden der RuSt Klassik und der DFB-Schiedsrichtertrainer Lutz Wagner löste mit seiner Key Note „Entscheiden in Stresssituationen“ einen Sturm der Begeisterung aus.
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Auch die 4. NEXTGen wurde ihrem Anspruch gerecht: Sie bringt die nächste Generation der Rechtsbranche zusammen, gibt frischen Impulsen Raum und zeigt, dass die Zukunft des Legal für jeden in dem Moment beginnt in dem er die Gestaltung in die Hand nimmt.

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