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EY-Studie: Nachhaltigkeit in Österreichs Unternehmen trotz Krisen auf dem Vormarsch

Das EY Nachhaltigkeitsbarometer 2026 zeigt: Österreichs Unternehmen integrieren Nachhaltigkeit in ihre Strategien und Prozesse stärker denn je. Trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten und regulatorischer Veränderungen scheint Nachhaltigkeit zur unternehmerischen Normalität zu werden.

Überblick

Die strategische Verankerung von Nachhaltigkeit steigt 2026 wieder deutlich an und übertrifft sogar das Niveau von 2024.
Jedes zweite Unternehmen berichtet von (zumindest teilweiser) Beschleunigung der Nachhaltigkeitsaktivitäten aufgrund geopolitischer Krisen und steigender Energiepreise.
Starker Fokus bei ökologischen Maßnahmen liegt auf der Reduktion von Abfall, Energieeffizienz, eigener Stromerzeugung mit erneuerbarer Energie und Kreislaufwirtschaft.
Die herausforderndsten Bereiche bei der Umsetzung von Nachhaltigkeitsmaßnahmen sind finanzielle Beschränkungen und Regulatorik.
Omnibus bringt Erleichterungen bei Berichtspflichten, doch fast die Hälfte der nicht-CSRD-pflichtigen Unternehmen plant, einen freiwilligen Nachhaltigkeitsbericht zu veröffentlichen.

Nachhaltigkeit 2026: Aufwind trotz Gegenwind

Trotz Krisen erreicht strategische Integration in Unternehmen neuen Höchststand

61 Prozent der Unternehmen geben an, Nachhaltigkeit bereits vollständig in ihre Unternehmensstrategie integriert zu haben. Damit liegt der Wert über dem Niveau von 2025 und auch über jenem von 2024. Weitere 37 Prozent haben Nachhaltigkeit zumindest teilweise integriert. Nachhaltigkeit ist damit in nahezu allen befragten Unternehmen strategisch verankert.

Gleichzeitig nimmt der subjektiv empfundene Einfluss von Klimaschutz und Nachhaltigkeit auf die eigene Branche leicht ab. Der Mittelwert sank von 7,1 im Jahr 2024 auf 6,8 im Jahr 2026. Diese Gegenläufigkeit ist eine spannende Erkenntnis der Studie: Die mediale Darstellung von Nachhaltigkeit und die öffentlichen Diskurse könnten den Eindruck erwecken, dass das Thema an Bedeutung verliert. Dadurch könnte auch der subjektiv wahrgenommene Einfluss von Nachhaltigkeit auf die eigene Branche abnehmen. Dass Nachhaltigkeit gleichzeitig immer stärker in Unternehmensstrategien und -prozesse integriert wird, deutet jedoch darauf hin, dass sie ihren Status als separates Sonderprojekt verliert und zunehmend zur selbstverständlichen Normalität unternehmerischen Handelns wird.

Geopolitische Krisen und Energiepreise: Bremse oder Katalysator?

Gleichzeitig stehen Unternehmen unter erheblichem Druck. Fast jedes zweite Unternehmen nennt finanzielle Beschränkungen als Herausforderung bei der Umsetzung von Nachhaltigkeitsmaßnahmen. Auch regulatorische Anforderungen werden deutlich häufiger als Belastung wahrgenommen als noch im Vorjahr.

Dennoch zeigt sich kein Rückzug vom Thema Nachhaltigkeit. Im Gegenteil: Die geopolitischen Krisen und die gestiegenen Energiepreise wirken bei vielen Unternehmen sogar als Beschleuniger. Die Hälfte berichtet, dass die unternehmensweiten Nachhaltigkeitsaktivitäten dadurch zumindest teilweise beschleunigt oder verschoben wurden. Nur rund drei von zehn Unternehmen sehen keinen Einfluss auf ihre Nachhaltigkeitsstrategie.

Warum investieren Unternehmen trotz wirtschaftlicher Unsicherheit weiterhin in Nachhaltigkeit?

Ein wesentlicher Grund dafür dürfte sein, dass Nachhaltigkeitsmaßnahmen zunehmend auch als Beitrag zur Resilienz und Versorgungssicherheit verstanden werden. Unternehmen wollen unabhängiger von volatilen Energiepreisen und importierten Energieträgern werden. Das zeigt sich deutlich bei den Maßnahmen, die durch die aktuelle Energie- und geopolitische Krise an Priorität gewonnen haben: 58 Prozent der Unternehmen setzen verstärkt auf eigene Stromerzeugung beziehungsweise Photovoltaik, mehr als die Hälfte priorisiert Energieeffizienzmaßnahmen.

Auch ein Blick auf die geplanten Dekarbonisierungsmaßnahmen bestätigt diesen Trend. Um zur Dekarbonisierung beizutragen, stehen der Ausbau erneuerbarer Energien und die Verbesserung der Energieeffizienz klar an erster Stelle. 74 Prozent der Unternehmen planen eine stärkere eigene Energiebereitstellung aus erneuerbaren Energieträgern, 68 Prozent wollen ihre Energieeffizienz weiter steigern. Beide Werte liegen deutlich über dem Vorjahr. Zudem haben Maßnahmen im eigenen Fuhrpark – etwa die Umstellung der Flotte oder Anreizsysteme – deutlich an Stellenwert gewonnen.

Damit wird Nachhaltigkeit für viele Unternehmen zunehmend zu einem strategischen Hebel, um Widerstandsfähigkeit zu stärken, Energiekosten zu reduzieren und die Wettbewerbsfähigkeit langfristig abzusichern.

Wo ist die Verantwortung für Nachhaltigkeit in Unternehmen verankert?

Verantwortung verschiebt sich wieder vom Vorstand in die Organisation

2025 lag die Verantwortung für Nachhaltigkeitsthemen besonders stark beim Vorstand beziehungsweise der Geschäftsführung. Damals nannten 47 Prozent diese Ebene als zuständig, 2026 sind es nur noch 31 Prozent – und damit wieder etwa auf dem Niveau von 2024. Gleichzeitig haben spezialisierte Strukturen wieder an Bedeutung gewonnen: Eigene Nachhaltigkeitsabteilungen sind zwar nur in 23 Prozent der Unternehmen etabliert, aber eigens dafür vorgesehene Stellen stiegen von 17 Prozent im Jahr 2024 auf 25 Prozent im Jahr 2025 und 29 Prozent im Jahr 2026. Auch Projektteams wurden häufiger genannt als in den Vorjahren.

Vor allem größere Unternehmen setzen verstärkt auf spezialisierte Strukturen wie eigene Abteilungen oder Projektteams. Nur mehr drei Prozent der Unternehmen haben keine konkrete Verantwortlichkeit für Nachhaltigkeit definiert.

Welche ESG-Maßnahmen setzen Unternehmen in Österreich um?

Der Fortschritt bei ESG-Maßnahmen im Detail

Im Bereich Governance zeigt sich eine deutliche Weiterentwicklung. 72 Prozent der Unternehmen betrachten Nachhaltigkeit mittlerweile als wesentlichen strategischen Eckpfeiler. 67 Prozent verfügen über Nachhaltigkeits-Management-Pläne und Programmmanagement-Strukturen, 66 Prozent setzen Nachhaltigkeitsberichterstattung um. Diese Werte liegen klar über den Ergebnissen der Vorjahre.
Auch Nachhaltigkeitsrisikobewertungen und der aktive Einbezug von Stakeholder:innen gewinnen an Bedeutung. Damit wird Nachhaltigkeit stärker in Steuerungs-, Risiko- und Reportingprozesse eingebettet.

Soziale Nachhaltigkeit ist breit etabliert

Weiterhin besonders stark ausgeprägt sind Maßnahmen im sozialen Bereich. Langfristige Beschäftigungsverhältnisse, Gesundheits- und Arbeitsschutz sowie Aus- und Weiterbildungsangebote sind in rund neun von zehn Unternehmen etabliert. Auch die Förderung älterer Mitarbeitender, Geschlechtergerechtigkeit und Diversität erreichen hohe Werte.

83 % der befragten Unternehmen setzen Maßnahmen zur Förderung der Geschlechtergerechtigkeit in der eigenen Belegschaft.

Ökologische Maßnahmen nehmen zu

Auffällig ist, dass fast alle ökologischen Maßnahmen sogar gegenüber 2024 an Verbreitung gewonnen haben. Das gilt insbesondere für Abfallreduktion, Energieeffizienz, Kreislaufwirtschaft, Emissionsmanagement, Einsatz erneuerbarer Materialien, Wassermanagement (insbesondere Reduktion des Wasserverbrauchs) und Maßnahmen zu Biodiversität.

90 % der befragten Unternehmen setzen Maßnahmen zur Reduktion von Abfall.

Wo stehen Unternehmen bei der CO2-Bilanzierung?

Bei der Erhebung des CO2-Fußabdrucks zeigt sich ein gemischtes Bild und weiterhin eine große Lücke bei Österreichs Unternehmen. Zwar bilanziert die Mehrheit der Betriebe ihre Emissionen inzwischen in irgendeiner Form, doch eine durchgängige Erfassung entlang der gesamten Wertschöpfungskette ist nach wie vor die Ausnahme. 17 Prozent der Unternehmen erheben gar keine Daten und haben dies auch nicht vor – das ist mehr als in den letzten zwei Jahren.

26 % der befragten Unternehmen erheben den Corporate Carbon Footprint (CCF) ausschließlich für die eigene Unternehmenstätigkeit (Scope 1 und 2), 23 Prozent erfassen die gesamte Wertschöpfungskette inklusive Scope 3 und weitere 13 Prozent zumindest wesentliche Teile davon. Gegenüber dem Vorjahr ist die vollständige Bilanzierung entlang der Wertschöpfungskette damit wieder von 18 Prozent auf 23 Prozent gestiegen – das Niveau von 2024, als noch 28 Prozent vollständig nach Scope 1, 2 und 3 bilanzierten, wird jedoch klar verfehlt.

Der Product Carbon Footprint (PCF) erfreut sich leicht wachsender Verbreitung – immerhin 6 Prozent erheben den Fußabdruck für ausgewählte Produkte. Kein Unternehmen erhebt jedoch den Fußabdruck des gesamten Produktportfolios.

23 % der befragten Unternehmen erheben den CCF und berücksichtigen dabei die gesamte Wertschöpfungskette (Scope 1, 2 und 3).

Vollständiger Text auf der Homepage von EY

Download der detaillierten Studienergebnisse (Gated-Content-Formular)

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