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Compliance now!

Gruppenweite Risikoanalyse als Vorbereitung auf die AMLA Anforderungen. Tatjana Wödlinger, Oberbank im Gespräch.

Tatjana Wödlinger ist Head of Group Sanctions and Transaction Monitoring, Deputy AML Officer, Financial Crime Prevention und International Trade Regulation Expertin bei der Oberbank. Wir sprechen darüber, ob die AMLA mehr Klarheit oder mehr Regulierung, warum KI gute Daten braucht und dass Compliance nicht zum Selbstzweck werden darf.

Business Circle: Sehr geehrte Frau Wödlinger, Sie haben umfangreiche Führungserfahrung bei der Entwicklung gruppenweiter Compliance-Strategien, Kontrollsysteme und Risikoanalysen. Möchten Sie uns eingangs kurz skizzieren, wie Sie Ihr Weg dorthin geführt hat und warum es genau dieses Thema sein sollte?

Tatjana Wödlinger: Mein Weg in die Compliance begann in der Automobilbranche und führte mich anschließend in die Finanzdienstleistungsbranche. Geprägt wurde er durch die Erfahrung, dass nachhaltiger Erfolg nur auf der Grundlage von Integrität, Transparenz und klarer Verantwortung entstehen kann.
Mit zunehmender Führungserfahrung verlagerte sich mein Fokus auf die Frage, wie sich gruppenweite Compliance-Strategien, Kontrollen und Risikoanalysen nicht nur formell etablieren, sondern im Geschäftsalltag wirksam verankern lassen.
Genau darin liegt für mich die Faszination des Themas: Compliance verbindet Strategie, Kultur, Governance und konkrete operative Umsetzung. Richtig verstanden, ist sie kein Hindernis für das Geschäft, sondern eine Orientierungshilfe für verantwortungsvolle Entscheidungen und ein wichtiger Baustein für Vertrauen und Resilienz.

BC: Mit der AMLA entsteht erstmals eine zentrale europäische Geldwäscheaufsicht. Die Erwartungen sind hoch. Sehen Sie einen tatsächlichen Mehrwert oder wird der Regulierungsdschungel nur noch dichter?

Wödlinger: Mit der AMLA besteht aus meiner Sicht die Chance, die Geldwäscheaufsicht in Europa stärker zu harmonisieren und grenzüberschreitende Risiken konsistenter zu adressieren. Der Mehrwert liegt vor allem in einheitlicheren Erwartungen an die Institute, klareren Aufsichtsstandards und einer engeren Zusammenarbeit der nationalen Behörden. Entscheidend wird jedoch sein, Doppelanforderungen zu vermeiden und die neuen Vorgaben verhältnismäßig und praxisorientiert umzusetzen. Zugleich sollte die AMLA Impulse für eine vertiefte Zusammenarbeit zwischen Aufsicht, den zuständigen FIUs und Strafverfolgungsbehörden setzen – nur dann entsteht aus zusätzlicher Regulierung tatsächlich mehr Klarheit und Wirksamkeit in der Bekämpfung von Finanzkriminalität in Europa.

BC: Datenqualität ist ein entscheidenden Faktor. Nach dem Grundsatz "Garbage in, Garbage out" nützen die besten Modelle wenig, wenn die Datenbasis mangelhaft ist. Wo liegen hier die größten Schwachstellen in Banken und was kann man am besten dagegen tun?

Wödlinger: Die größten Schwachstellen liegen häufig in heterogenen Systemlandschaften, uneinheitlichen Datenstandards sowie unvollständigen oder nicht ausreichend aktuellen Kunden- und KYC-Daten. Besonders kritisch wird es dort, wo Kunden-, Transaktions- und Informationen zu wirtschaftlich Berechtigten nicht konsistent zusammengeführt werden können. Entscheidend sind daher klare Datenverantwortlichkeiten, risikobasiert definierte Qualitätsstandards und ein konsequentes Vorgehen bei der Identifikation und Behebung von Datenmängeln.

Warum KI gute Daten braucht

BC: KI und Geldwäsche: Fluch oder Segen? Wie kann KI doloses Verhalten unterstützen? Und wer hat derzeit den technologischen Vorsprung?

Wödlinger: KI kann Banken dabei unterstützen, komplexe Muster schneller zu erkennen, Auffälligkeiten besser zu priorisieren und Fachkräfte bei Analyse- und Ermittlungsprozessen zu entlasten. Gleichzeitig kann KI jedoch auch für betrügerische oder missbräuchliche Zwecke eingesetzt werden, etwa zur Erstellung überzeugend gefälschter Dokumente, synthetischer Identitäten oder zur stärkeren Automatisierung und Personalisierung von Täuschungsversuchen – und damit dazu beitragen, kriminelle Aktivitäten schwerer erkennbar zu machen. Einen eindeutigen und dauerhaften technologischen Vorsprung sehe ich derzeit auf keiner Seite: Entscheidend ist letztlich die Verbindung aus guter Datenqualität, menschlicher Expertise, wirksamen Kontrollen und einer klaren Governance.

BC: Wenn Sie Tipp für General Counsel oder Heads of Compliance einer mittelgroßen Bank hätten: Welche drei Maßnahmen sollten als Erstes angestoßen werden?

Wödlinger: Erstens sollte eine ehrliche, risikobasierte Standortbestimmung erfolgen, aus der eine klar priorisierte und vom Management getragene Roadmap abgeleitet wird; dafür braucht es ein gemeinsames Verständnis von Compliance und Governance als unabhängige und zugleich konstruktive Bestandteile verantwortungsvoller Unternehmensführung. Zweitens gilt es, die Daten- und Prozessgrundlagen zu stärken, insbesondere mit Blick auf Daten zu Kunden, wirtschaftlich Berechtigten und Transaktionen. Drittens sollte die tatsächliche Wirksamkeit des Kontrollsystems regelmäßig überprüft und die verfügbaren Daten gezielt analysiert werden, um Risiken und Entwicklungen frühzeitig zu erkennen sowie Entscheidungen und Maßnahmen proaktiver auszurichten.

BC: Abschließend etwas Persönliches: Sie kennen die Compliance now! schon als Teilnehmerin. Möchten Sie Ihren Eindruck von dieser Konferenz mit uns teilen?

Wödlinger: Die Compliance now! habe ich als ein Format erlebt, das fachliche Tiefe mit einem offenen und sehr praxisnahen Austausch verbindet. Besonders wertvoll ist aus meiner Sicht die Möglichkeit, unterschiedliche Perspektiven aus Unternehmen, Aufsicht und Beratung zusammenzubringen und gemeinsame Herausforderungen offen zu diskutieren. Für mich ist die Konferenz deshalb nicht nur eine Informationsplattform, sondern auch ein wertvoller Ort für Vernetzung, Dialog und neue Impulse.

BC: Sehr geehrte Frau Wödlinger, Danke für das gute Feedback. Es freut uns um so mehr, dass wir Sie jetzt auch als Vortragende begrüßen dürfen!

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