JUVE-Rankings: Bank- und Finanzrecht sowie Insolvenzrecht
Bank- und Finanzrecht: Regulierungsdruck, Krisen und Krypto befeuern die Nachfrage
Von Michael Forst, Annette Kamps und Claudia Otto: Restrukturierungen, Aufsichtsrecht und neue Technologien bestimmen das Beratungsgeschäft im österreichischen Bank- und Finanzrecht. Streitigkeiten nehmen zu, während MiCAR, DORA und Co. einen wachsenden Beratungsbedarf erzeugen.
Die Gemengelage aus politischen Unsicherheiten, wirtschaftlichem Gegenwind und tiefgreifenden Transformationsprozessen hinterlässt deutliche Spuren im Finanzsektor. Banken agieren zunehmend vorsichtig: Unternehmensfinanzierungen werden komplexer, Leveraged Deals laufen weiterhin gedrosselt, und eine nachhaltige Belebung des IPO-Markts bleibt aus. Verlässliches Wachstum verzeichnen unter diesen Bedingungen vor allem Restrukturierungsspezialisten.
Parallel dazu hat die Digitalisierung ein eigenständiges Beratungsfeld im Aufsichtsrecht entstehen lassen. Neue Geschäftsmodelle rund um Krypto-Assets und Blockchain-Technologie treiben die Nachfrage – Kanzleien wie Cerha Hempel und EY Law – Pelzmann Gall Größ haben diese Themen bereits zu strategischen Schwerpunkten ausgebaut.
Auf Partnerebene blieben größere Bewegungen zuletzt die Ausnahme. Bemerkenswert: Die seit Anfang 2025 in Österreich aktive CEE-Kanzlei Kinstellar baute ihr Team Anfang 2026 mit Dr. Laurenz Liedermann (zuvor E+H Rechtsanwälte) im Bank- und Finanzrecht aus. Müller Partner holte Carl Walderdorff von Herbst Kinsky, während KWR Karasek Wietrzyk mit dem Kapitalmarktrechtler Dr. Christian Temmel – vormals DLA Piper Weiss-Tessbach – ein spezialisiertes Team aufbaut.
Zu den aufstrebenden Namen zählen der Finanzierungsexperte Wolfgang Hellsberg (CMS), die Kapitalmarktrechtlerin Angelika Fischer (Schönherr) und der Bankaufsichtsrechtler Dr. Stefan Frank (Binder Grösswang). In die Riege der Marktprägenden rückte Leopold Höher von Wolf Theiss auf; die Kryptoexperten Dr. Oliver Völkel und Dr. Martin Hanzl sowie Banking-Litigator Dr. Markus Kellner festigten ihre führenden Positionen.
Die ausführlichen JUVE-Rankings für das Bank- und Finanzrecht sowie das Kapitalmarktrecht lesen Sie hier
Boomendes Insolvenzrecht
Von Annette Kamps und Claudia Otto: Kaum eine Causa hat je so viele Kanzleien in Österreich gleichzeitig beschäftigt wie Signa – vergleichbar in ihrer Dimension allenfalls mit dem Dieselskandal in Deutschland. Doch auch abseits dieser Mammutinsolvenz boomte das Insolvenz- und Restrukturierungsrecht hierzulande.
Österreich steht mit dem Trend steigender Insolvenzen nicht allein. Laut einer globalen Studie des Kreditversicherers Acredia und Allianz Trade steigen die weltweiten Unternehmensinsolvenzen 2025 um 6 Prozent und 2026 um weitere 5 Prozent. Eine Trendwende wird erst 2027 erwartet. In Österreich stieg die Zahl der Firmenpleiten 2025 laut KSV 1870 erneut um 3,4 Prozent auf 6.810 Fälle – das vierte Jahr in Folge mit wachsenden Insolvenzzahlen, nahe am Rekordwert von 7.050 Fällen aus dem Jahr 2005. Besonders betroffen sind Einzelhandel, Baugewerbe und Gastgewerbe. Als Ursachen gelten strukturelle Schwächen der Binnenkonjunktur, eine schleppende Erholung von der Rezession und die anhaltende Schwäche des wichtigsten Handelspartners Deutschland.
Neben Signa sorgten Fälle wie Fisker, Süba, Hallmann und KTM für Aufsehen. Die Nachfrage nach Insolvenz- und Restrukturierungsberatern war entsprechend hoch.
Bestens aufgestellt für diese Lage ist die Kanzlei Abel – mit Namenspartner Norbert Abel und weiteren starken Partnern eine der breitesten Insolvenzrechtskanzleien Österreichs. Die Gerichte trauen ihr mehrere große Verwaltungen gleichzeitig zu. Partner Patrick Gensbichler wurde als Sanierungsverwalter von Signa Prime Selection sowie zum Verwalter von Süba bestellt. Gemeinsam mit den Verwalterkanzleien Ecolaw (Development Selection) und Stapf Neuhauser (Signa Holding) entwickelte Abel ein strukturiertes außergerichtliches Verfahren zur Klärung haftungsrechtlicher Fragen. Die Verfahrensleitung übernahmen VIAC-Generalsekretärin Niamh Leinwather und Rechtsanwalt Prof. Dr. Gernot Murko.
Bewegung gab es auch am Kanzleimarkt: Die renommierte Insolvenzrechtlerin Dr. Ulla Reisch trennte sich nach 25 Jahren von Urbanek Lind Schmied Reisch und firmiert seither mit ihrem Team unter eigenem Namen. Zuvor machte sie mit der Schuldnervertretung von Pierer Industrie im ersten österreichischen Verfahren nach der Restrukturierungsordnung von sich reden.
Ein weiterer Trend zeichnet sich ab: Außergerichtliche Sanierungen gewinnen an Bedeutung, und immer mehr ehemals reine Verwalterkanzleien – allen voran Abel – sind nun auch in diesem Bereich aktiv. Einen Abschluss fand so auch der Dauerbrenner Alpine: Nach über zehn Jahren erzielte Engelhart Richter & Partner für die Alpine Bau per gerichtsnaher Mediation eine Einigung, die Haftungsprozesse gegen den Abschlussprüfer beendete und eine Forderungsabtretung an den Wirtschaftsprüfer umfasste.
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Treffen Sie die Vertreterinnen des JUVE-Verlages im Oktober wieder live auf der RuSt.

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