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Die Regeln für M&A-Transaktionen im Wandel: Clemens Hasenauer im Gespräch

Clemens Hasenauer ist Managing Partner bei CERHA HEMPEL. Im Interview erklärt er, welche Risiken bei M&A-Deals mitgedacht werden müssen und welche Faktoren den Erfolg einer Transaktion entscheiden.

Business Circle: Sehr geehrter Herr Dr. Hasenauer, Sie begleiten seit vielen Jahren komplexe M&A-Transaktionen: Welche Entwicklungen in der Vertragsgestaltung sind Ihres Erachtens derzeit die relevantesten?

Clemens Hasenauer: Bei M&A-Transaktionen sehen wir gerade schon, dass sich der Fokus in der Vertragsgestaltung etwas verschiebt. Es geht oft nicht mehr nur darum Bewertungs- und Preisfragen richtig im Vertrag abzudecken, sondern stärker um die Frage, wie man einen Deal in einem unsicheren Umfeld überhaupt sicher ins Closing bringt. Themen wie regulatorische Freigaben (Stichwort Investitionskontrolle) oder geopolitische Risiken spielen daher derzeit eine größere Rolle.

BC: „Hell or High Water“-Klauseln bedeuten eine ungleichmäßige Risikoverteilung. In welchen Konstellationen sind solche Regelungen überhaupt noch durchsetzbar – und wo stoßen sie an praktische Grenzen?

Hasenauer: "Hell or High Water"-Klauseln funktionieren vor allem dort, wo ein Käufer einen Deal unbedingt machen will. Bei "Hell or High Water"-Klauseln geht es gerade darum, dass das Risiko rund um regulatorische Freigaben und mögliche Auflagen im Wesentlichen dem Käufer zugeordnet wird. Schwierig wird es in der Praxis aber vor allem dann, wenn mögliche Auflagen von Behörden sehr streng sind, dass der Deal für den Käufer wirtschaftlich kaum noch vertretbar ist. Deshalb sieht man heute oft eher abgestufte Lösungen, bei denen der Käufer zwar weitgehende Verpflichtungen übernimmt, aber nicht jede Auflage akzeptieren muss.

BC: Deals scheitern immer wieder. Wie sichert man sich vertraglich den „Fall des Scheiterns“? Insbesondere im Hinblick auf ESG-Kriterien und Regulatorische Risiken?

Hasenauer: Das Scheitern eines Deals muss genauso gut geregelt werden wie ein erfolgreiches Closing. Gerade bei ESG-Kriterien und regulatorischen Risiken reicht es nicht diese nur abstrakt anzusprechen. Es sollte möglichst klar festgehalten werden, welche regulatorischen Freigaben, Genehmigungen oder weitere Compliance-Themen bis zum Closing tatsächlich vorliegen müssen. Weiters ist es ratsam festzuhalten wer sich darum kümmert und was passiert, wenn das nicht gelingt. Eine vertragliche Absicherung liefern hier Conditions Precedent, konkrete Informations- und Mitwirkungspflichten, die Etablierung eines Long Stop Dates, sowie klar definierte Rücktrittsrechte und Kostenfolgen.

BC: Der Umgang mit sensiblen Daten im Due-Diligence-Prozess bleibt ein spannendes Thema. Welche Rolle spielen Clean Teams heute – und wie verändert das durch den Einsatz künstlicher Intelligenz im DD-Prozess?

Hasenauer: Clean Teams haben im Due Diligence Prozess weiterhin eine enorme Bedeutung, weil in der Due Diligence oft hochsensible Informationen offengelegt werden müssen – etwa zu Preisen, Kunden, Lieferanten oder Geschäftsstrategien. Gerade, wenn ein Wettbewerber auf der Buy-Side sitzt, muss verhindert werden, dass diese sensiblen Daten vom Wettbewerber zulasten des Verkäufers genutzt werden. Clean Teams schaffen einen geschützten Rahmen, in dem sensible Informationen nur von einem eng begrenzten Personenkreis geprüft werden. Durch den Einsatz von KI wird das Ganze noch sensibler, weil man nicht nur den Zugriff von bestimmten Personen steuern muss, sondern sich auch mit der Frage beschäftigen muss, wie KI-Programme diese hochsensiblen Daten speichern bzw. weiterverwenden.

BC: Haben die Krisen der letzten Jahre dazu geführt, dass MAC-Klauseln nun tatsächlich schärfer verhandelt und auch ernsthafter durchgesetzt werden? Und welche Kriterien haben das besonders beeinflusst?

Hasenauer: Im Hinblick auf die Situation in der Ukraine und dem Iran werden MAC-Klauseln heute sicher ernster verhandelt als noch vor einigen Jahren. Trotzdem bleibt die Schwelle, sich am Ende wirklich auf eine MAC-Klausel zu berufen, in der Praxis nach wie vor hoch.

Boom in Defence?

BC: Die Closing-Session des M&A Summit wird sich heuer mit dem Thema „M&A BOOM IN Defence“ beschäftigen. Und der Defence-Sektor erlebt derzeit auch einen massiven Aufschwung. Ist das aus Ihrer Sicht ein nachhaltiges, langfristiges Wachstum– oder sehen wir hier eher eine zyklische, politisch getriebene Blase?

Hasenauer: Ich würde den aktuellen Aufschwung im Defence-Sektor eher nicht als bloß zyklische, politische Blase sehen, sondern als Ausdruck eines breiteren europäischen Trends hin zu militärischer Eigenständigkeit von Europa. Genau das dürfte auch auf M&A-Seite langfristig spürbar werden.

BC: Abschließend: Das wird jetzt der zweite M&A – Summit sein. Wie ist Ihr Fazit zur Premiere im letzten Jahr und worauf freuen Sie sich heuer am meisten?

Hasenauer: Die Premiere im letzten Jahr war für mich ein starkes Signal, dass es einen echten Bedarf in der M&A Community nach Austausch, Orientierung und Vernetzung gibt. Man hat gespürt, dass hier nicht einfach eine weitere Konferenz entstanden ist, sondern ein Format mit Relevanz: nah an den aktuellen Fragen der Branche und mit viel Raum für Begegnung und Networking. Umso mehr freue ich mich, dass der M&A Summit dieses Jahr wieder stattfindet. Gerade in Zeiten, in denen sich Recht, Technologie, Wirtschaft und Gesellschaft so dynamisch verändern, brauchen wir solche Foren des Meinungsaustauschs.

BC: Danke für das tolle Feedback! Wir freuen uns, Sie wieder bei uns zu begrüßen und mit Ihnen gemeinsam den 2. M&A Summit zu gestalten.

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