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Compliance Now! Germany 2026 – die Community wächst weiter

Wie Moritz Mirascija gleich am Anfang des 7. Mai 2026 vor fast150 Personen sagte: Hier entsteht mehr als nur eine Konferenz.Was vor Jahren in Österreich begann, entwickelt sich zunehmend zu einer starken deutsch-österreichischen Compliance-Community – getragen von Austausch, Praxisnähe und einem gemeinsamen Anspruch.Wenn wir neue Kontakte, konkrete Ideen oder Impulse für neue Projekte mitnehmen, dann erfüllt das Format seinen Zweck.

Besonders spannend und deswegen so in die Kuratierung eingeflossen ist der Fokus auf echte Compliance-Erfolgsstories statt abstrakter Theorie und als Gegenargument zu dem oft gehörten Vorwurf, dass Compliance Officer nicht nur Spassverderber, sondern auch Gechäftsverhinderer seien.

Bei Bosch wurde gezeigt, wie man über 400.000 Mitarbeiter weltweit schult, ohne in „Tick-the-box“-Mentalität zu verfallen. Dabei ist es nicht wirksam über ein Compliance-Pflichtenheft zu arbeiten, weil das genau die Tick-the-Box Mentalität noch fördert. Aos KPI diente die Beobachtung, welche Formate freiwillig häufig und gern gesehen werden. Kurze Videoformate, die auch mit KI-Hilfe erstellt werden, haben sich dabei als der beste Weg erwiesen.
Compliance wird erst wirksam, wenn ihre Relevanz größer ist als die bloße Pflicht.
Das Fallbeispiel aus der Commerzbank zeigte, wie KI in der Fraud Prevention eingesetzt werden kann: Mustererkennung (das kann KI gut), Feedbackschleifen mit menschlichen Analysten (um die interne Basis, auf der die KI lernt, kontinuierlich zu verbessern) und Compliance als „Enabler“ statt Verhinderer.

Melanie Poepping brachte mit ihrer Keynote die Herausforderung auf den Punkt:

Compliance befindet einmal wieder im Umbruch. Regeln, Richtlinien und Kontrollen allein reichen nicht mehr aus, wenn Entscheidungen unter Zeitdruck, Unsicherheit und technologischer Disruption getroffen werden.

Besonders stark fanden wir folgende Gedanken:

• Nicht die KI allein verändert Compliance, sondern das Zusammenspiel von Mensch und KI

• 80 % der Risiken entstehen nicht durch fehlende Regeln, sondern durch nicht gelebte Regeln

• Ethik kann man nicht automatisieren, aber man kann ethisch automatisieren

• „Keep me out of jail“ ist als Zielsetzung zu kurz gedacht

• Die Zukunft der Compliance entscheidet sich nicht nur an der Qualität von Regeln – sondern an der Qualität menschlicher Entscheidungen.

Behörden-Talk: AMLA - die neue paneuropäische Ankerbehörde im Interview

Schade ist es natürlich, dass die AMLA (Anti-Money Laundering Authority) nach Frankfurt und nicht nach Wien kommen wird. Aber nun nimmt die die gesamteuropäische Aufsicht zunehmend Formen an, auch wenn viele Details des künftigen Modells sich noch im Aufbau befinden. Im Gespräch diskutierten Bettina Hörtner, Georg Puntus und Hartmut Renz, welche Rolle AMLA künftig im europäischen Finanz- und Compliance-System spielen wird und wie das Zusammenspiel mit den nationalen Behörden funktionieren kann.

Georg Puntus gab einen Einblick in die aktuelle Aufbauphase der Behörde sowie in die Koordination zwischen europäischen Meldestellen und Aufsichtsbehörden. AMLA soll keine zusätzliche Bürokratieebene schaffen, sondern zu mehr Einheitlichkeit, Effizienz und Rechtssicherheit beitragen. Geldwäsche endet schließlich nicht an Landesgrenzen und es braucht gemeinsame Standards, harmonisierte Verfahren und einheitliche Templates innerhalb der EU. Ein gemeinsamer europäischer Datenpool wäre ein sinnvoller Schritt, um Informationen schneller und strukturierter austauschen zu können. Gleichzeitig kann die AMLA nur in enger Kooperation mit den nationalen Behörden erfolgreich sein. Denn trotz europäischer Harmonisierung bleibt lokales Marktverständnis entscheidend: Nationale Aufsichten kennen die Besonderheiten ihres jeweiligen Marktes immer n och am besten. Ob die AMLA tatsächlich der europäische Ankerpunkt zur Geldwäschebekämpfung sein kann, wird sich vor allem in der Kommunikation und Abstimmung der nationalen Behörden entscheiden.

Lutz Wagner: Entscheiden in Stresssituationen!

Mit Energie, Humor und jeder Menge Praxisnähe brachte der Schiedsrichtercoach des DFB und ehemalige FIFA-Schiedsrichter Lutz Wagner das Publikum dazu, Entscheidungen einmal aus einer völlig anderen Perspektive zu betrachten. Schon zu Beginn fragte er: „Was für ein Entscheidungstyp sind Sie eigentlich?“ – und zog Parallelen zwischen Fußballplatz, Führungsetage und Compliance-Alltag.

Entscheidungen unter Druck gehören trainiert. Wer zu langsam entscheidet, verliert Akzeptanz – wer zu schnell entscheidet, riskiert Fehlurteile. Entscheidend ist das richtige Maß aus Analyse, Intuition und Kommunikation. Eine Entscheidung wird nicht nur daran gemessen, ob sie richtig ist, sondern ob sie von den Beteiligten akzeptiert wird. Transparenz, Klarheit und das Mitnehmen der Menschen sind essenziell.

Besonders spannend für das Publikum war der Vergleich zwischen Schiedsrichter und Compliance-Verantwortlichen: Beide stehen für Integrität und beide geraten dann in den Fokus, wenn etwas schiefläuft. Solange alles funktioniert, bleibt ihre Arbeit oft unsichtbar. Und genau deshalb braucht es Standfestigkeit, Vorbereitung und die Fähigkeit, auch unter Stress sachlich zu bleiben.

Immer wieder traf Lutz Wagner mit seinen pointierten Aussagen genau den richtigen Nerv: „Wenn Sie nicht entscheiden, wird über Sie entschieden.“ Oder: „Trauen Sie dem Gegenüber alle Schlechtigkeiten zu – der wird von jemand anderem bezahlt.“

Gute Entscheidungen entstehen nicht zufällig. Sie brauchen Beobachtung, Analyse, Kommunikation und den Mut, Verantwortung zu übernehmen – egal ob vor 80.000 Fußballfans oder im Meetingraum eines Unternehmens. Und sogar für Business Circle war es eine Premiere, dass ein Keynote-Speaker nach dem Vortrag um Autogramme gefragt wurde.

Der Abend vereinte Gäste und Vortragende zu traditionellen Compliance-konformen Party.

Und gleich am nächsten Morgen ging es weiter. Das Lufthansa-Kongresszentrum liegt mitten in den Bergen des Odenwaldes und bei gutem Wetter führte der Outdoor-Coach Clemens Froelich eine große Runde auf einen Waldspaziergang durch das frische Maigrün. Das Thema waren Sanktionen, diesmal von Clemens nicht aus juristischer, sondern aus menschlicher Sicht betrachtet. Er hatte vor kurzem den Iran auf abenteuerliche Weise bereist und den Damavand, den höchsten Berg des Landes bestiegen. Der Weg wurde immer wieder von Pausen unterbrochen und er erzählte, was Sanktionen für die normalen Menschen im Land bedeuten und was es für ihn als Tourist hieß, dass das Land vom internationalen Zahlungsverkehr abgekoppelt ist, so dass Bank- und Kreditkarten nicht funktionieren.

KI, Krisen und Kontrollverlust. Dos and Don’ts bei Internal Investigations

Internal INvestigations, das ist, wenn Compliance ernst wird. Und zwar  für Unternehmen, Management und oft auch für die Reputation. Kyrill Farbmann, Roman Reiss und Peter Unterhauser dikutierten darüber, wie sich interne Untersuchungen durch KI verändern, und welche Rolle eine saubere Informationspolitik und der „human in the loop“ spielt.

KI kann sehr gut Muster erkennen und Beschwerden vorsortieren – etwa echte Compliance-Hinweise von bloßem Alltagsfrust unterscheiden. Das heißt aber nicht, dass man unvorsichtig werden darf: Gerade bei automatisierten Bewertungen braucht es menschliche Kontrolle. Und das im Vier- oder mehr-Augen Prinzip. „Der wirkliche Bias sitzt meistens vor dem Computer“. Besonders kritische Fälle bei Internal Investigatuions sind  sogenannte „Schattenuntersuchungen“, bei denen lokale Führungskräfte Probleme lieber intern lösen oder vertuschen möchten. Deshalb braucht es unabhängige Compliance Arbeit mit klarem Mandat, professioneller Distanz und Rückendeckung durch die oberste Führungsebene.

Das menschliche und nicht das maschinelle Augenmaß braucht es vor allem in der Kommunikation: Nicht jeder muss alles wissen. Aber es ist essentiell, Gerüchte, Eskalationen und rechtliche Risiken – zum Beispiel eine Klage durch einen ehemaligen Mitarbeiter - zu vermeiden. Compliance darf nicht losgelöst vom Business gedacht werden. Wenn etwa ein problematischer Zulieferer ersetzt werden muss, braucht es nicht nur moralische Klarheit, sondern auch realistische Exit-Strategien. Internal Investigations sind nicht nur juristische Aufarbeitung, sondern strategisches Krisenmanagement mit Fingerspitzengefühl, Technologiekompetenz und menschlicher Urteilskraft.

Tone-from-the-top zum Abschluss: Im Dreieck der Herausforderungen zwischen: Vorstand, Aufsichtrat und Compliance

Der krönende Abschluss der Konferenz war strategisch, hochkarätig und offen. Im Closing Panel diskutierten Klaus Moosmayer (Aufsichtsrat Deutsche Bank), Stefanie Buchmann (Vorstand Metzler Privatbank), Barbara Roth (Executive Management Board der State Street Bank International) und Olaf Schick (Vorstand Mercedes Benz) über die Rolle von Compliance in unsicheren Zeiten, die Erwartungen von Vorständen an ihr Compliance Office und über Integrität als Wettbewerbsfaktor.

Hier einige Statements aus der Diskussion:

• Krisen sind gute Zeiten für Compliance, gerade jetzt braucht es Orientierung, klare Standards und belastbare Strukturen.

• Besonders in sensible Bereichen wie Energie und Rüstung fließen derzeit enorme Investitionen und genau dort wird sich zeigen, wie wirksam Compliance-Management ist.

• Ein Szenario wie dieses ist nicht abwegig: Gestern hat man noch Handel getrieben, plötzlich bricht ein bewaffneter Konflikt aus und der Handelspartner steht auf einer Sanktionsliste. Man braucht fertige Notfall- und Reaktionspläne „in der Schublade“.

• Compliance ist ein direkter Wertschöpfungsfaktor: „Wenn wir unsere Reputation verlieren, sind wir weg vom Fenster.“ Und dabei ist Compliance der Vertrauensbroker zwischen dem Team und dem Vorstand

• Besonders wichtig für das Compliance Management ist es, als „Trusted Advisor“ auftreten und zu erklären statt zu belehren. Wertschätzende Kommunikation und nachvollziehbare Begründungen erlauben es, zwischen Vorstand, Aufsichtsrat und operativen Teams zu vermitteln.

Abschluss: Zwei großartige Tage mit Charme, Flair und Professionalität.

Nicolai Behr, Alexander Petsche und Moriz Mirascija betraten abschließend noch einmal die Bühne. Die Rolle des Compliance Officers hat sich in 5 Jahren dramatisch verändert, das Tempo steigt deutlich. Früher ging es halt um Kartell, Korruption und AML, und wenn sich auskannte, konnte man sich relativ sicher sein. Jetzt kommt immer mehr und immer schneller dazu. Weg von Checklisten, hin zum persönlichen Agieren. Im Vergleich zum gelungenen Start der Konferenz im letzten Jahr ist mit der Community, dem Inhalt und der Stimmung noch einmal eine schöne Steigerung gelungen. Was liegt vor uns: Viel Zukunft, viel KI, viel Verantwortung. Es wird sehr spannend, wie wir in einem Jahr auf die vor uns liegenden 12 Monate bis zur nächsten „Compliance now!“ Germany zurückblicken werden.

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