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6. Austrian Sustainability Summit

6. Austrian Sustainability Summit: Nachhaltigkeit im Realitätscheck

Am 26. März eröffneten Moritz Mirascija und Franziska Graf ein bis auf den letzten Platz gefülltes Forum – erstmals im neuen „3-in-1“-Format, das Sustainability, Circular Economy und Renewables zusammenführt. Ein Konzept, das aufgegangen ist: Die Verknüpfung von Ökologie und Ökonomie wurde nicht nur diskutiert, sondern aus unterschiedlichsten Perspektiven greifbar gemacht.

PANEL: Klimarealität trifft auf volkswirtschaftliche Herausforderungen

Wie Österreich in einem rezessiven Marktumfeld die Klimatransformation bewältigen kann | Elisabeth Andrieux, hofmann & neffe GmbH | Herbert Kasser, ASFINAG | Sigrid Stagl, WU Wien | Gabriela Straka, respACT | Moderation: Willibald Kaltenbrunner, EY

Einige Kernsätze aus der Diskussion:

• Geopolitische Krisen und schwaches Wachstum erschweren die Transformation zusätzlich.

• Klimarealität erhöht den Handlungsdruck – Nichtstun ist keine Option.

• Transformation gelingt nur, wenn sie wirtschaftlich tragfähig ist.

• Gesellschaftliche Akzeptanz ist zentral – ohne sie kein Fortschritt.

• Kreislaufwirtschaft stärkt Resilienz, muss aber besser kommuniziert werden.

• Statt Alarmismus braucht es eine positive, glaubwürdige Narrative.

• Fazit: Lieber pragmatisch handeln als auf die „perfekte“ Strategie warten.

In ihrem Impulsvortrag gaben Maria de Fátima Gerolin und Eva-Maria Ségur-Cabanac Einblicke in die Perspektive eines brasilianischen, US-gelisteten Unternehmens mit starker europäischer Nachhaltigkeitspräsenz – bewusst ohne klassische Präsentation, dafür mit klarem Praxisfokus.

Ein zentrales Thema war die hohe regulatorische Dichte in Europa – weltweit führend, aber auch herausfordernd. Im Umgang mit Greenwashing wurde ein pragmatischer Ansatz betont: Perfektion ist kaum erreichbar, entscheidend sind klare Prioritäten und belastbare Daten. Glaubwürdigkeit und Nachvollziehbarkeit stehen im Fokus.

Am Beispiel von Suzano zeigte sich, dass nachhaltige Finanzierung kein kurzfristiger Trend ist: Bereits 2016 wurden erste Green Bonds emittiert – heute zahlt sich dieser frühe Fokus aus.

Auch im M&A-Bereich gewinnt ESG weiter an Bedeutung. Klare KPIs und strukturierte Due-Diligence-Prozesse verbessern Verhandlungspositionen und sichern langfristigen Erfolg.

Der Ausblick: neue Themen wie Biodiversität und internationale Märkte. Fazit: Nachhaltigkeit erfordert konsequentes und kluges Handeln.

CEO Espresso Talks: Nachhaltigkeit als Werttreiber und Wettbewerbsfaktor

•  Nachhaltigkeit als Business Case: Nachhaltigkeit muss aktiv gemanagt werden – nicht nur berichtet. Sie ist aus der Unternehmensstrategie abzuleiten, in konkrete Ziele zu übersetzen und messbar zu steuern.

•  Wertsteigerung statt Widerspruch: Der Gegensatz „profitabel vs. nachhaltig“ greift zu kurz. Nachhaltigkeit kann Kosten senken, Abhängigkeiten reduzieren und damit direkt zur Wertsteigerung beitragen.

•  Ökonomische Realität zählt: Transformation gelingt nur, wenn sie sich wirtschaftlich rechnet und gesellschaftlich akzeptiert wird. Ohne Wettbewerbsfähigkeit und stabile Rahmenbedingungen bleiben Investitionen aus.

•  Pragmatisches Handeln statt Perfektion: Es gibt keine perfekte Strategie. Entscheidend ist, ins Tun zu kommen, bestehende Lösungen weiterzuentwickeln und Nachhaltigkeit verständlich sowie positiv zu kommunizieren.

•  Operative Hebel nutzen: „Green and lean“ geht Hand in Hand – durch effizienten Ressourceneinsatz, Kreislaufwirtschaft, optimierte Logistik und konsequentes Energiemanagement. Nachfrage nach nachhaltigen Produkten bleibt dabei ein Schlüsselfaktor.

•  Regulatorik als Herausforderung: Komplexe Vorgaben und überbordende Kennzahlen erschweren Steuerung. Unternehmen brauchen fokussierte, relevante KPIs statt reiner Berichtspflichten.

•  Daten & Governance: Verlässliche ESG-Daten (insb. CO₂ und Strategie) sind zentral für Finanzierung und Steuerung. Gleichzeitig zeigt sich: Zu viel Reporting ohne Steuerungsnutzen schwächt die Wirksamkeit.

CIRCULAR ECONOMY: Vom Labor auf den Markt – wie gelingt zirkuläre Innovation in der Breite?

Matthias Resch, Komptech | Renato Sarc, Uni Leoben | Herbert Tanner, Siemens | John von Stamm, RWTH Aachen Campus | Moderation: Valerie-Sophie Schönberg, Schönberg Consulting

Forschung ist die Grundlage für die Innovationen von morgen – und damit für den wirtschaftlichen Erfolg von übermorgen. Gerade in Hochlohnländern wie Österreich sind Forschung und Innovation entscheidend, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben. Häufig entstehen daraus nicht nur neue Produkte, sondern auch völlig neue Märkte.

Grundlagenforschung ist essenziell, braucht jedoch Zeit und Ressourcen. Gleichzeitig ist die Erprobung am Markt unverzichtbar, um Innovationen tatsächlich wirtschaftlich nutzbar zu machen. Erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Universitäten und Unternehmen erfordert klare Zieldefinitionen und abgestimmte Erwartungen – vor allem, weil  beide Seiten unterschiedliche Logiken verfolgen: Während Forschung ergebnisoffen und langfristig angelegt ist, arbeiten Unternehmen mit konkreten Aufträgen, Zeitplänen und wirtschaftlichem Druck. Universitäts-Alumni können als wichtige Brückenbauer fungieren.

Inhaltlich gewinnt die Kreislaufwirtschaft weiter an Bedeutung – nicht nur im Recycling, sondern bereits im Produktdesign und entlang des gesamten Lebenszyklus. Entscheidend für den Erfolg gemeinsamer Projekte sind klare gemeinsame Interessen, strategische Relevanz und ein ausgewogenes Verhältnis zwischen wissenschaftlicher Methodik und marktwirtschaftlichen Anforderungen. Förderungen allein sind dabei kein ausreichender Anreiz – nachhaltiger Erfolg erfordert echtes Commitment.

Systemintegration der erneuerbaren Energien

Günther Pauritsch, Energie Agentur | Martina Prechtl-Grundnig, VEEÖ | Johannes Rath, Wienerberger | Thomas Schlager, EVN | Moderation: Gabriela Straka, respACT

Die Diskussion zur Systemintegration erneuerbarer Energien machte deutlich, wie stark geopolitische Entwicklungen die Energiewende beeinflussen. Der Iran-Konflikt wurde dabei als potenzieller Auslöser einer neuen Ölpreiskrise eingeordnet – mit Parallelen zur Gaspreiskrise infolge des Ukraine-Kriegs. Europas anhaltende Abhängigkeit von fossilen Energieträgern bleibt damit ein strukturelles Risiko.

Gleichzeitig wurde betont, dass Krisen auch als Innovationstreiber wirken können. Der Umbau des Energiesystems erfordert jedoch massive Investitionen – und wirft die Frage auf, wie tragfähig Geschäftsmodelle ohne staatliche Förderungen tatsächlich sind. In diesem Spannungsfeld wurde auch Kritik an regulatorischen Eingriffen laut: Zu starke Marktsteuerung könne einen Kreislauf erzeugen, in dem der Markt nicht mehr effizient funktioniert.

Einigkeit bestand darin, dass die Energiewende nur mit einem diversifizierten Energiemix gelingen kann. Neben Wind- und Solarenergie spielen auch Wasserkraft, Biomasse, Biomethan und grüner Wasserstoff eine zentrale Rolle – insbesondere für industrielle Anwendungen mit hohem Energiebedarf. Entscheidend sei dabei ein effizienter Einsatz: Hochwertige Energieträger sollten nicht für niedrigintensive Anwendungen verwendet werden.

Zudem wurde hervorgehoben, dass die Energiewende immer auch eine Wärmewende ist. Strukturelle Herausforderungen – etwa durch föderale Zuständigkeiten – erschweren jedoch eine koordinierte Umsetzung. Die zentrale Erkenntnis: Die Transformation ist nicht nur eine technologische, sondern vor allem eine systemische und ökonomische Herausforderung.

Nachhaltigkeitstransformation 360°: KMU zwischen Chance und Umsetzung

Hildegard Aichberger, Umweltbundesamt | Reinhard Backhausen, ÖGV | Thiemo Färber, Palfinger | Helga Kromp-Kolb, BOKU | Robert Nagele, REWE | Moderation: Gabriela Straka, respACT

Einige Kernsätze aus der Abschlussdiskussion:

• Nachhaltigkeit beginnt beim Produktdesign: Langlebigkeit und Recyclingfähigkeit müssen von Anfang an mitgedacht werden.

• Kreislaufwirtschaft stärkt Resilienz und reduziert Abhängigkeiten von Rohstoffen.

• Prinzipien wie „Reuse – Refurbish – Recycle“ gewinnen entlang der gesamten Wertschöpfungskette an Bedeutung.

• Die Frage nach dem „End-of-Life“ eines Produkts wird zentral – insbesondere bei komplexen Materialkombinationen.

• KMU haben strukturelle Vorteile: Sie können Geschäftsmodelle oft schneller und flexibler anpassen als große Konzerne.

• Erfolgsfaktor Kommunikation: Chancen und wirtschaftliche Potenziale betonen statt mit negativen Szenarien zu arbeiten.

Abschluss: Nachhaltigkeit als strategischer Erfolgsfaktor

Moritz Mirascija und Franziska Graf betraten noch einmal die Bühne. Eine besondere Signalwirkung hat es, dass das C-Level bei Vortragende und im Publikum so stark vertreten war. „Tone from the top“ bleibt entscheidend, um echte Bewegung zu schaffen. „Sucht den Schulterschluss, vernetzt euch aktiv und erzählt positive Geschichten. Dimit richtet ihr den Blick konsequent nach vorn.“

Der 7. Sustainability Summit findet statt am 18./19. März 2027

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