Ergebnisse der neuen CxO-Studie
Business Circle: Die CxO-Studie wurde nun zum sechsten Mal durchgeführt. Welche Veränderungen und Trends im Markt lassen sich im Vergleich zu den Vorjahren feststellen?
Die Versicherungsbranche befindet sich aktuell in einer Phase tiefgreifender Transformationen. Aus den Ergebnissen der Studie lassen sich sechs strategische Schwerpunkte ableiten: Sicherung der Profitabilität, Fokus auf das Kerngeschäft, konsequente digitale Transformation, Nutzung der Kundenbasis, Erfüllung von Serviceversprechen durch gesteigerte Produktivität sowie strategische Vorbereitung auf mögliche M&A-Aktivitäten.
Die digitale Transformation bleibt weiterhin die zentrale strategische Priorität der Branche. Im Vergleich zum Vorjahr zeigt sich jedoch, dass das Thema Cybersicherheit in der strategischen Agenda zurückgefallen ist, vermutlich als Folge der DORA.
Zudem wird deutlich, dass die Bedeutung aller Themen im Zusammenhang mit Ergebnisabsicherung, Kostensenkung und Effizienzsteigerung signifikant zugenommen hat. Besondere Aufmerksamkeit erfährt zudem die strategische Auseinandersetzung mit Fusionen und Übernahmen sowie Kooperationen entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Im Gegensatz dazu sind Themen wie der Umgang mit Mitarbeitenden und Nachhaltigkeit in den Hintergrund gerückt und haben, im Vergleich zu den Vorjahresergebnissen, an strategischer Relevanz verloren.
BC: Was bedeutet das konkret für die aktuelle strategische Agenda der CxOs von Versicherungsunternehmen?
Das Thema digitale Transformation steht eindeutig im Zentrum der strategischen Überlegungen der Vorstände. Dabei geht es vor allem darum, den digitalen Wandel konsequent umzusetzen und technologische Potentiale effektiv zu nutzen, um messbare Ergebnisse zu erzielen. Wichtige Punkte auf der Agenda sind unter anderem die Modernisierung der Systemlandschaft sowie der zielgerichtete Einsatz von Künstlicher Intelligenz und Cloud-Lösungen.
Neben der digitalen Transformation spielt auch die Verbesserung der Kosten- und Gewinnstrukturen eine zentrale Rolle in der Branche. Hierbei liegt der Fokus auf der Sicherung des versicherungstechnischen Ergebnisses und der gezielten Optimierung der wesentlichen Einflussfaktoren entlang der Werttreiber, wie Prämien, Kosten und Schadensmanagement.
BC: Es zeigt sich also eindeutig, dass die digitale Transformation für die CxOs höchste Priorität hat. Wie bewerten Sie den aktuellen Reifegrad der KI in den Versicherungsunternehmen?
Die Branche zeigt ein zweigeteiltes Bild: Eine Gruppe von Versicherern hat stark investiert und setzt KI entlang der Wertschöpfungskette konkret ein. Diese Versicherer werden in den kommenden 1–2 Jahren deutliche Effizienzgewinne und vertriebliche Potentiale realisieren können. Die andere Gruppe verbleibt in der Experimentier- und Use-Case-Phase. Diese Unternehmen kämpfen mit begrenzten Ressourcen, mangelnder technologischer Modernisierung oder fehlender strategischer Fokussierung. Vor dem Hintergrund ist davon auszugehen, dass sich die Schere zwischen beiden Gruppen voraussichtlich weiter öffnen wird.
BC: Welche Faktoren tragen dazu bei, dass Versicherungsunternehmen in einzelnen Bereichen bislang nicht mit dem Einsatz von KI begonnen haben?
Altsysteme und hohe Transformationskosten bremsen vielerorts die Skalierung. Auch unzureichende Datenqualität, fehlende Schnittstellen und begrenzte interne Kompetenzen hemmen den Einsatz von KI. Zusätzlich führen risikobezogene Vorbehalte – insbesondere gegenüber Nicht-EU-Infrastrukturen – zu Zurückhaltung. Insgesamt ist die Hürde hoch, und das Tagesgeschäft bindet oft so viele Ressourcen, dass für das Zukunftsthema KI kaum strategischer Fokus bleibt.
BC: Wenn Sie auf die nächsten Jahre blicken, welche wesentlichen Veränderungen oder Trends erwarten Sie in der Versicherungsbranche, die auch in der CxO-Studie 2026 reflektiert werden könnten?
Blickt man auf die kommenden Jahre, zeichnen sich mehrere Veränderungen und Trends ab, die einen wesentlichen Einfluss auf die Branche nehmen werden.
An oberster Stelle steht nach wie vor die digitale Transformation als wesentlicher Treiber. Insbesondere der verstärkte Einsatz von KI und Machine Learning wird die Effizienz in den Fachbereichen erheblich steigern. KI-basierte Chatbots und virtuelle Assistenten werden zudem zukünftig nicht nur im Kundenservice eine zentrale Rolle spielen, sondern auch zunehmend im Vertrieb eingesetzt werden, um Prozesse zu automatisieren und die Interaktion mit Kunden weiter zu personalisieren.
Nach Jahren intensiver Prämienanpassungen und Portfolio-Sanierungen wird der Servicegedanke wieder klar an Bedeutung gewinnen. Gleichzeitig nehmen strategische Initiativen zur Stärkung von Wachstum und Top Line Performance wieder Fahrt auf – der Risikoappetit kehrt spürbar zurück.

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