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Implementierung von KI-Systemen mit Schwerpunkt Compliance. Simon Schmidt, Mavie Med im Gespräch

Simon Schmidt verantwortet bei Mavie Med KI Projekte in der Compliance. Er hat klare Botschaften: KI ist kein Allheilmittel und in jeder Projektphase muss es die Möglichkeit geben zu sagen, dass etwas nicht funktioniert. Wir sprechen mit ihm über Erfahrungen und Praxistipps.

Business Circle: Sehr geehrter Herr Mag. Schmidt, eingangs etwas Persönliches:  Sie sind bei Mavie Med auch bei KI Projekten insbesondere aus Sicht der Compliance involviert. Warum ist gerade dieses Thema so interessant und motivierend für Sie?

Simon Schmidt: Bei der Implementierung von KI-Systemen bekommt man einen weitreichenden Einblick in bestehende Prozesse sowie in neue Technologien und Möglichkeiten. Zudem ist es für mich immer sehr motivierend auch gestalterisch mitwirken zu können.

BC: Kaum ein Thema wird derzeit so intensiv diskutiert wie Künstliche Intelligenz, so wie vor einigen Jahren „Legal Tec“ das aktuelle Buzzword war. Vor zwei Jahren galt noch: "Wer keine KI-Strategie hat, verliert den Anschluss." Heute scheinen viele Unternehmen deutlich nüchterner zu werden. Erleben wir gerade das Ende des KI-Hypes und beginnt jetzt erst die eigentliche Arbeit?

Schmidt: Nach meiner Wahrnehmung sind die Unternehmen vielleicht nicht nüchterner geworden, aber „überlegter“. KI wird einen wachsenden Stellenwert in den Arbeitsabläufen einnehmen. Mittlerweile wird der Einsatz von KI strategischer betrachtet und nicht direkt immer als das „Allheilmittel“ für alles und jeden gesehen.

BC: In Ihrem Vortrag wird es um die Discovery Phase gehen. Was sind aus Ihrer Sicht die größten und typische Fehler bei der Einführung von KI im juristischen oder Compliance-Bereich?

Schmidt: Ein Thema, welches nicht nur bei KI anzutreffen ist, ist die Frage des richtigen Zeitpunktes der Einbindung von Recht und Compliance. Zu früh gibt es noch zu wenig Informationen, zu spät kostet Ressourcen, wenn die Anforderungen nicht umgesetzt werden können. Zudem sind die Prozesse sehr wichtig, welche die KI unterstützen soll.

BC: Alle Anbieter wollen verkaufen und versprechen daher enorme Effizienzgewinne. Nach welchen Kriterien sollte eine Rechts- oder Compliance-Abteilung überhaupt entscheiden, ob sich ein KI-Projekt wirtschaftlich lohnt? Welche Kennzahlen sind aussagekräftig?

Schmidt: Die Rechts- oder Compliance-Abteilung hat selten eine Disposition über die wirtschaftliche Sinnhaftigkeit. KI sollte jedoch jedenfalls einen Nutzen bringen und nicht nur verwendet werden, weil sie da ist. Die damit arbeitenden Fachabteilungen sollten auch bewerten, ob der Einsatz wirtschaftlich sinnvoll scheint.

Es muss immer die Möglichkeit geben zu sagen: „Das funktioniert nicht“

BC: Daran anschließend: Viele Compliance-Abteilungen starten derzeit Pilotprojekte. Woran könnte man nach sechs oder zwölf Monaten festmachen, ob ein KI-Projekt erfolgreich war und wann sollte man den Mut haben zu sagen: "Das funktioniert bei uns (doch) nicht"?

Schmidt: Die Möglichkeit zu sagen, dass etwas nicht funktioniert, sollte jederzeit gegeben sein. Als erfolgreich könnte man ein KI-Projekt werden, wenn ein objektiver Nutzen vorliegt und die KI gegebenenfalls auch von den damit arbeitenden Mensch als Mehrwert gesehen wird und nicht nur als weitere Software.

BC: Ist die Angst vieler Mitarbeiter, durch KI ersetzt zu werden, aus Ihrer Erfahrung berechtigt und kann das die Einführung sinnvoller Werkzeuge behindern?

Schmidt: In einigen Bereichen werden Tätigkeiten durch den Einsatz von KI effizienter oder vollständig ersetzt werden. Dies ist bei allen Automatisierungsprozessen der Fall. Wesentlich wäre allerdings KI als Werkzeug zur Unterstützung einzusetzen. Das „letzte Wort“ sollte immer ein Mensch haben.

BC: Abschließend: Sie kennen die Business Circle jetzt schon aus eigener Erfahrung und haben jetzt den Sprung auf die Vortragenden-Bühne geschafft, Glückwunsch dazu! Möchten Sie Ihren Eindruck von unseren Formaten mit uns teilen?

Schmidt: Vielen Dank. Ich freue mich sehr die Möglichkeit zu bekommen und diese auch wahrnehmen zu können. Bei den Formaten vom Business Circle haben ich immer sowohl fachlich sehr viel mitnehmen können, als auch mich mit sehr interessanten Vortragenden und Teilnehmenden austauschen können. Über diese Kombination habe ich mich immer sehr gefreut.

BC: Sehr geehrter Herr Mag. Schmidt, danke für das nette Feedback. Und vielen Dank auch für Ihre Einblicke in dieses so praxisrelevante Thema. Wir freuen uns schon, auf der „Compliance now!“ mehr davon zu hören.

© Fotos: feelimage, Matern und Business Circle

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