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6. Austrian Sustainability Summit

Kreislaufwirtschaft als Business Case: Interview mit Dr. Gabriela-Maria Straka

Gabriela-Maria Straka ist Vorstandsmitglied und Landesvorsitzende oÖ bei respACT. Sie ist überzeugt, dass Nachhaltigkeit „sich rechnet“. Im Interview stellt sie ihre Initiative NIU – Nachhaltigkeit im Unternehmen vor und zeigt, warum Unternehmen, Politik und Kapitalmarkt gemeinsam handeln müssen, um echte Transformation zu ermöglichen.

Business Circle: Sehr geehrte Frau Dr. Straka, Sie haben sich als herausragende Expertin für Nachhaltigkeitsstrategien und Kreislaufwirtschaft etabliert. Vor drei Jahren haben Sie für Ihr Engagement im Bereich Nachhaltigkeit den Innovationspreis der United Nations Weltklimakonferenz erstmalig nach Österreich geholt. Letztes Jahr haben Sie den Innovationspreis für die innovative Contentplattform NIU „Nachhaltigkeit in Unternehmen“ erhalten. Was haben Innovationen, Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft gemeinsam?

Gabriela-Maria Straka: Innovative Nachhaltigkeit ist das übergeordnete Leitbild für eine langfristig tragfähige Entwicklung. Die Kreislaufwirtschaft ist ein konkretes Umsetzungsmodell, das dieses Leitbild praktisch verwirklicht.

Beide haben ein gemeinsames Ziel: Ressourcen so zu nutzen, dass Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft langfristig profitieren. Beide Ansätze reduzieren den Verbrauch von Rohstoffen, Energie und Wasser. Statt „nehmen–produzieren–wegwerfen“ setzen sie auf effiziente Nutzung und Wiederverwertung.

Kreislaufwirtschaft vermeidet Abfall durch Wiederverwendung, Reparatur, Recycling und Remanufacturing. Innovative Nachhaltigkeitskonzepte integrieren genau diese Prinzipien bereits im Produktdesign („Design for Circularity“).

BC: Was ist „NIU – Nachhaltigkeit im Unternehmen“ genau?

Straka: NIU ist die neue Plattform für alle, die Nachhaltigkeit im Unternehmen umsetzen oder verantworten. Woche für Woche erscheinen Fachbeiträge und Best Practice Beispiele zu Sustainable Finance, Kreislaufwirtschaft, ESG-Regulatorik und verwandten Themen. Wir haben eine Fachinformationsdatenbank aufgebaut, inklusive Dienstleistungen, KI Recherche und Lösungen, die ihnen die Arbeit erleichtern.

BC: An wen richtet sich NIU?

Straka: NIU spricht insbesondere NachhaltigkeitsmanagerInnen, UnternehmensjuristInnen EnergieexertInnen, „Green Teams“ sowie GeschäftsführerInnen, die etwa für Fehler in der Nachhaltigkeitsberichterstattung persönlich haften können.

Recht und Nachhaltigkeit sind längst untrennbar. Regulatorik wie Sustainable Finance, Kreislaufwirtschaft oder EU-Taxonomie betrifft Unternehmen strategisch – und haftungsrechtlich. Diese Entwicklungen bereiten wir fundiert, verständlich und praxis- sowie zeitnah auf. Diese Verbindung aus juristischer Expertise und unternehmerischer Praxis ist einzigartig. Wir bieten verlässliche Analyse, konkrete Handlungsempfehlungen und Einordnung regulatorischer Entwicklungen kompakt und auf den Punkt.

BC: Sie haben schon vor Jahren zahlreiche Kreislaufwirtschaftsprojekte erfolgreich umgesetzt. Haben Sie gute Beispiele aus der Praxis parat? Wo funktioniert es schon?

Straka: Second-Hand-Plattformen funktionieren und wachsen rasant. Unternehmen setzen auf Rücknahmesysteme und „Produkt-als-Service“-Modelle. In Städten gewinnt Urban Mining an Bedeutung, das bedeutet die Rückgewinnung von Rohstoffen aus bestehenden Gebäuden, Infrastrukturen und Produkten in Städten. Städte sind riesige „Rohstofflager“. Materialien wie Stahl, Kupfer, Aluminium, Beton oder seltene Metalle sind bereits verbaut und können am Ende ihrer Nutzung wiedergewonnen und erneut eingesetzt werden.

In der Lebensmittelindustrie, die zu den ressourcenintensivsten Sektoren gehört, entstehen laufend durch nachhaltige Energie- und Ressourcennutzung neue Chancen - von CO2-neutraler Produktion bis hin zur Abfallvermeidung und -verwertung

Diese Projekte zeigen:  Kreislaufwirtschaft kann ökologisch und wirtschaftlich zugleich sein. Sie sind ein Hebel, um Nachhaltigkeit messbar umzusetzen. Sie reduzieren Emissionen, sparen Ressourcen und stärken Resilienz.  

Unternehmen die ESG umsetzen werden vom Kapitalmarkt belohnt

BC: Welche Rolle spielen Unternehmen, Politik und Kapitalmarkt?

Straka: Unternehmen müssen Produkte langlebiger und reparierbarer gestalten. Politik setzt den Rahmen – etwa durch Recyclingquoten und erweiterte Herstellerverantwortung. Nur im Zusammenspiel entsteht echte Transformation.

Am Kapitalmarkt zeigt sich konkret: Eine ESG-gekoppelte Finanzierung ist definitiv günstiger, und Unternehmen, die ESG umsetzen, werden vom Kapitalmarkt belohnt.

Durch die Integration von klaren ESG-Kriterien in die Due Diligence, Nutzung nachhaltiger Benchmarks sowie laufendes Monitoring der Investitionen lassen sich Risiken minimieren und Chancen am wachsenden nachhaltigen Finanzmarkt nutzen. Dies macht grüne Finanzierung - etwa durch grüne Anleihen - zu einem relevanten Wettbewerbsvorteil.

BC: Welche Anforderungen und Trends zeichnen sich ab?

Straka: Die Zukunft orientiert sich nicht nur an den Anforderungen der Industriestrategie sondern vor allem an Best Practice Beispielen, die zeigen, wie nachhaltige Beschaffung, Lagerung und Verkauf praktisch umgesetzt werden können.

Diese Entwicklungen zeigen, dass die Kreislaufwirtschaft der Zukunft digital, strategisch und ganzheitlich ausgerichtet sein wird, wobei technologische Innovation, regulatorische Frameworks und unternehmerisches Handeln zusammenwirken müssen.

Digitalisierung ermöglicht Materialtracking in Echtzeit. ESG-Kriterien beeinflussen Investitionen. Zudem wächst die „Right to Repair“-Bewegung. Technologische Entwicklungen und soziale Innovationen sind zentral. Neben digitalen Lösungen (z.B. Sharing Plattformen) sind neue Materialien (z. B. biologisch abbaubare Stoffe) und neue Geschäftsmodelle (z. B. Product-as-a-Service) in Arbeit. Eng damit verbunden ist die Ökodesign-Verordnung, die regulatorische Rahmenbedingungen für zukunftsfähige Produkte schafft.

BC: Als mehrfach ausgezeichnete Unternehmenssprecherin in der Markenartikelbranche setzen Sie sich für nachhaltigen Konsum ein. Welche Rolle spielen KonsumentInnen?

Straka: KonsumentInnen nehmen eine zunehmend relevante Rolle ein. Sie können z.B. reparieren statt ersetzen, teilen statt besitzen, bewusst einkaufen statt impulsiv konsumieren. Individuelles Verhalten setzt wichtige Signale am Markt.

BC: Wie geht es mit der NIU Plattform weiter? Ziele?

Straka: NIU wird schrittweise ausgebaut. Geplant sind zusätzliche, maßgeschneiderte Produkte sowie Weiterbildungsangebote der MANZ Rechtsakademie. Ziel ist ein integriertes Informations- und Fortbildungsangebot rund um Nachhaltigkeit im Unternehmen.

In NIU werden Best Practice Modelle der Kreislaufwirt als strategisches Transformationsinstrument, das Ressourceneffizienz, Emissionsreduktion und Wettbewerbsfähigkeit langfristig sichert, greifbar gemacht.

BC: Und Ihr übergeordnetes Ziel?

Straka: Unternehmen und Organisationen dabei zu unterstützen, Nachhaltigkeit nicht nur regulatorisch korrekt, sondern strategisch klug umzusetzen, skalierbare Geschäftsmodelle zu schaffen, richtig zu kommunizieren und damit auch einen Beitrag zu verantwortungsvollem, zukunftsfähigem Wirtschaften zu leisten.

BC: Sehr geehrte Frau Dr. Straka, wir danken Ihnen für Ihre zukunftsweisenden Einblicke und freuen uns, Sie bald wieder auf unserer Bühne zu begrüßen!

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