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STATUS QUO am juristischen Arbeitsmarkt: Interview mit Sarah Samer von LawPreneur

Elite-Uni oder Unternehmenserfahrung? Fachwissen oder Social Skills? KI oder klassische Ausbildung? Im Interview erklärt LawPreneur-Host Sarah Samer, warum die Karrierepfade heute anders verlaufen als früher und weshalb junge Juristen heute lernen sollten, nicht nur exzellente Rechtsberater, sondern auch markante Unternehmer und Persönlichkeiten zu werden.

Business Circle: Sehr geehrte Frau Samer, Sie sind Host des Podcasts LawPreneur. Was hat Sie bewogen, damit anzufangen, und was waren bisher Ihre Highlights?

Sarah Samer: Aus meiner langjährigen Erfahrung in der Rechtsbranche wurde mir eine Sache immer klarer: Rechtsanwält:innen sind oft brillante Jurist:innen, aufgrund der einschlägigen Ausbildung fehlt es vielen aber an wirtschaftlichem Verständnis und unternehmerischem Denken. Genau das wollte ich mit dem Podcast sichtbar machen. Außerdem haben viele nur ein eingeschränktes Bild von der Kanzleilandschaft und den Möglichkeiten, die man als Anwält:in tatsächlich hat. Mir war es ein Anliegen, dieses Bild zu erweitern – und nicht zuletzt höre ich oft die Frage, warum ich denn so gern in der Branche arbeite, obwohl die doch so konservativ und alteingesessen ist. Genau das stimmt eben nicht (mehr) und das möchte ich zeigen. Ein einzelnes Highlight kann ich nicht nennen: In jedem Gespräch mit meinen Gästen gibt es diesen einen Moment, in dem man die Person von einer persönlichen, äußerst sympathischen Seite kennenlernt und diesen Moment der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, ist für mich jedes Mal aufs Neue schön. Natürlich bereitet mir auch das positive Feedback zum Podcast stets große Freude.

BC: Über Jahrzehnte war die juristische Erfolgsformel relativ einfach: gute Universität, gute Noten, gute Karriere. Gilt diese Logik noch, oder welche Fähigkeiten zählen zusätzlich?

Samer: Die Antwort auf die vorherige Frage zeigt bereits eine klare Richtung. Der Kanzleimarkt wird härter und befindet sich in einem deutlichen Wandel – wirtschaftliches Verständnis und unternehmerisches Denken sind essenziell geworden. Was meine ich damit konkret? Beispielsweise sich selbst positionieren und gut verkaufen können, Prozesse optimieren können, Finanzen und KPIs richtig interpretieren können, Menschen führen können.

BC: Anwälte sollten stärker unternehmerisch denken. Warum fällt das vielen Juristen nach wie vor so schwer?

Samer: Weil die gesamte Ausbildung nicht darauf ausgerichtet ist. Das System ist darauf ausgelegt, gute Jurist:innen hervorzubringen – teilweise hochspezialisierte Anwält:innen. Möchte eine Anwältin oder ein Anwalt aber langfristig erfolgreich sein, egal in welcher Kanzleieinheit, werden plötzlich ganz andere Skills hochrelevant, die während des Studiums und der Ausbildung schlicht keinen Platz hatten (Stichwort: Akquise, Führung).

BC: Im Studium wird man auf Prüfungen vorbereitet, aber kaum auf den ersten Arbeitstag in einer Kanzlei. Was unterscheidet eine Kanzlei, die junge Talente entwickelt, von einer Kanzlei, die lediglich gutbezahlte Leute beschäftigt?

Samer: Gute Ausbildungskanzleien zeichnen sich dadurch aus, dass sie in tatsächlichen, echten Austausch mit ihren Anwärter:innen treten – mit ordentlichem Onboarding sowie dauerhaften, wirklich gelebten Mentoring-Programmen. Wichtig zu wissen ist dabei: Gerade bei größeren Einheiten lässt sich das nie pauschal bewerten, sondern es ist fast immer teamabhängig, ob man eine gute Ausbildungszeit erlebt oder nicht.

Juristische Ausbildung neu denken

BC: Vieles, was bis vor Kurzem noch als „Associate-Aufgabe" galt wie Recherche, Zusammenfassungen, erste Vertragsentwürfe, wird zunehmend von KI übernommen. Was bedeutet das für die Ausbildung des juristischen Nachwuchses?

Samer: Ich bin der festen Überzeugung, dass sich Universitäten, der ÖRAK und Kanzleien an einen Tisch setzen müssen, um die Ausbildung gemeinsam neu zu denken. Im Podcast LawPreneur haben wir dieses Thema schon öfter diskutiert, unter anderem in den Folgen mit Uni-Professor Thomas Ratka und Nikolaus Forgo. Verständlicherweise bekomme ich für diese Meinung auch viel Gegenwind, denn es ist nicht die Aufgabe von Universitäten, „Anwält:innen für die Wirtschaft zu produzieren" – wofür ich grundsätzlich ein gewisses Verständnis habe. Trotzdem braucht es angesichts des aktuellen Wandels, den die KI mit antreibt, noch nie dagewesene Lösungen, auf die sich alle Beteiligten gemeinsam einlassen müssen.

BC: Was, glauben Sie, „bringt" mehr für die Karriere: ein Auslandsjahr an einer Eliteuniversität oder ein Jahr praktische Erfahrung in einem internationalen Unternehmen?

Samer: Ich muss dazu sagen: Ich selbst habe keine elitäre Ausbildung genossen und bin ein klassisches Arbeiterkind – meine Meinung dazu ist also wohl ein wenig voreingenommen. Trotzdem bin ich fest überzeugt, dass wirtschaftliches Verständnis und Social Skills aktuell wichtiger sind denn je. Natürlich macht es sich auf dem Papier gut, wenn man von einer Eliteuniversität kommt – was man dort aber lernt, ist oft weit davon entfernt, was man im beruflichen Kanzleialltag tatsächlich braucht. Was sagt ein Elite-Uni-Abschluss aus? Die Leser können sich selbst ihre Antwort geben.
Ich würde mich jedenfalls fürs Unternehmen entscheiden – das ist quasi der ultimative Perspektivwechsel, um Mandant:innen wirklich verstehen zu können. Wer weiß, was seine Kund:innen brauchen, kann ihnen auch den besten Service bieten.

BC: Das wird Ihr erster Auftritt bei uns – Glückwunsch dazu! Worauf freuen Sie sich am meisten speziell auf der RuSt NEXTGen?

Samer: Am meisten freue ich mich darauf, mit meinen Hörer:innen und vielen neuen Gesichtern live zu diskutieren und ihre Reaktionen direkt zu sehen – sonst sitze ich ja meistens ganz ohne Publikum im Podcaststudio. Das wird also eine richtig schöne Abwechslung! Und wer mich kennt, weiß: Mit mir wird es immer auch ein bisschen lustig – ich freue mich also auf eine gute Stimmung.

BC: Sehr geehrte Frau Samer, vielen Dank für das Gespräch und die spannenden Einblicke in die Zukunft der Rechtsbranche. Wir freuen uns auf Ihren ersten Auftritt bei der RuSt NEXTGen und wünschen Ihnen bis dahin alles Gute.

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