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Souveräne Selbstführung: NeuroHacks im Office-Alltag. Nora Mack im Gespräch

Nora Mack ist erfahrene Führungspersönlichkeit, Gestalterin und Netzwerkerin an der Nahtstelle von Wissenschaft, Praxis und menschlicher Entwicklung. Wir sprechen über gute Entscheidungen, Fokus und wirksame Führung und die Kluft zwischen „wissen“ und „tun“

Business Circle: Sehr geehrte Frau Mack, Sie sprechen von Inspiring Leadership, Achtsamkeit und dem "weiblichen Weg zu führen". Wie begegnen Sie Kritikern, die sagen: „Unternehmen brauchen Ergebnisse und keine Wohlfühlprogramme“?

Nora Mack: Diesen Satz höre ich oft. Und ich verstehe, woher er kommt.
Doch für mich ist Achtsamkeit kein Wohlfühlprogramm.
Das sage ich sowohl in meiner Rolle als Führungsperson in einer High Performing Organisation als auch mit meinem „Hut“ als Creator Coach und Consultant im eigenen Unternehmen.
Achtsamkeit ist ein Führungsinstrument. Ganz gleich, wen ich führe - mich selbst und/oder andere. Achtsamkeit ist ein neurobiologisch wirksamer Zugang zu Klarheit, Fokus und Handlungsfähigkeit.

Wer unter Druck steht, reagiert reflexhaft – aus dem „Autopilot“ heraus, wie ich es nenne.
Wer unter Druck steht, verliert Perspektive – der Weitblick wird zum Tunnelblick.
Wer unter Druck steht, trifft schlechtere Entscheidungen.
Das ist kein „weiblicher Weg“, das ist Neurowissenschaft.

BC: Noch einmal dazu: Sie setzen sich für den " weiblichen Weg zu führen" ein. Was verstehen Sie darunter konkret? Geht es um weibliche Führung oder vielmehr um Führungsqualitäten, die unabhängig vom Geschlecht bislang zu wenig Wertschätzung erfahren?

Mack: Es geht um zweiteres. So sehr ich Gender Medicine befürworte – hier spreche ich nicht von geschlechterspezifischen Führungsstilen. Wie es ihre Frage bereits impliziert, spreche ich von Qualitäten, die in der klassischen Führung lange unterbewertet waren:

  • Präsenz & Gegenwärtigkeit statt Aktionismus
  • Zuhören statt Übersteuern
  • Intuition statt reiner Ratio
  • Beziehung & Vertrauen statt Kontrolle
  • Mut zur Pause statt ständiger Beschleunigung

Diese Qualitäten sind nicht „weiblich“. Sie sind menschlich. Und sie sind entscheidend für nachhaltige Wirksamkeit.

BC: In Ihrem Vortrag wird es um "NeuroHacks" für den Büroalltag gehen. Aber wie kann ein paar Minuten bewusstes Atmen tatsächlich etwas gegen strukturelle Probleme wie Personalmangel, permanente Erreichbarkeit oder unrealistische Zielvorgaben ausrichten?

Mack: Gar nicht.
Atmen löst keinen Personalmangel. Atmen stoppt keine unrealistischen Zielvorgaben. Atmen optimiert keine Organisationsstruktur. Aber: Atmen verändert – dich, mich, jede von uns.
Und damit wandelt sich deine, meine, unsere Fähigkeit, mit dem umzugehen, was nicht sofort geändert werden kann.
Ein reguliertes Nervensystem ist kein Luxus. Es ist die Grundlage dafür, dass wir in herausfordernden Situationen nicht nur reagieren, sondern bewusst handeln. Dass wir Grenzen klarer kommunizieren. Dass wir Prioritäten setzen. Dass wir uns selbst nicht verlieren. Strukturelle Probleme brauchen strukturelle Lösungen. Doch bis diese kommen, brauchen Menschen Werkzeuge, um nicht auszubrennen.

BC: Wie schafft man Fokus, wenn der Arbeitstag eigentlich nur noch aus Unterbrechungen und Bereinigen von Störfällen besteht? Gibt es dafür tatsächlich neurobiologisch fundierte Strategien? Und was ist dabei die Rolle der Assistenz im Zusammenspiel mit den Vorgesetzten?

Mack: Viele Office Professionals – besonders Personal Assistants und Office Managerinnen – arbeiten in einem Umfeld, das von ständigen Störfällen geprägt ist. Sie sind die unsichtbare Schalt- und Nahtstelle zwischen Management, Team und Kund:innen. Sie halten zusammen, was oft auseinanderzufallen droht. Und ja: Diese emotionale Arbeit wird unterschätzt. Sie ist unsichtbar und gleichzeitig ist sie enorm wertvoll.
Neurobiologisch gibt es klare Strategien, um Fokus trotz Unterbrechungen zu stärken:

  • Mikro-Pausen regulieren das Nervensystem
  • Klare Start-Stopp-Rituale aktivieren den Präfrontalen Cortex, den Organisator für Zeit und Ressourcen im Gehirn
  • Mentale Anker geben Orientierung und bringen nach Unterbrechungen schneller zurück

Fokus entsteht nicht durch perfekte Bedingungen. Fokus entsteht durch innere Klarheit.

Wie viel Wertschätzung schenken Sie sich selbst?

BC: Gerade Personal Assistants und Office Managerinnen stehen oft zwischen Management, Team und Kunden. Sie sollen organisieren, moderieren, Konflikte lösen und gleichzeitig immer freundlich bleiben. Wird diese emotionale Arbeit Ihrer Meinung nach unterschätzt und wie kommt man zu mehr Wertschätzung.

Mack: Definitiv. Aus meiner Sicht leisten Office Professionals täglich wertvolle Beziehungsarbeit.  Moderieren, koordinieren, Lösungen finden, Konflikte entschärfen, aktiv zuhören und klar kommunizieren – all das ist essenziell und wird oft unterschätzt.
Gehirngerechte Selbstführung hilft, diese Rolle bewusst und (selbst-)wirksam auszufüllen.
Und die Frage, wie man zu mehr Wertschätzung kommt, möchte ich mit einer Gegenfrage beantworten: Wie viel Wertschätzung schenken Sie sich selbst?
Eine gesunde Selbstwertschätzung beginnt mit einem freundlichen, wohlwollenden inneren Dialog, einem positiven Selbstgespräch, zB „Ich kann das schaffen“ statt „Das wird eh nichts“. Eine weitere Möglichkeit ist, sich Vorbilder zu suchen – Menschen, die inspirieren und Mut machen (#inspiringLeader 😉)

BC: Viele Menschen hören Podcasts, lesen Bücher und LinkedIn-Beiträge über Selbstoptimierung. Trotzdem fühlen sich viele erschöpft. Wissen sollte eigentlich genug vorhanden sein, woran scheitert dann die Umsetzung?

Mack: Wie heißt es so schön? „Wissen ist nicht verstanden ist nicht getan“
Ein Satz, der zeigt, warum Veränderung so oft scheitert – und warum Selbstführung mehr ist als Information.

Wissen ≠ Verstehen
Kognitiv etwas zu wissen, heißt nicht, dass es im Körper angekommen ist. Stress kennen wir alle. Erst das Verstehen, wie er wirkt, verändert etwas.

Verstehen ≠ Tun
Zwischen Einsicht und Handlung liegen Komfortzone, Angst und alte Muster. Grenzen verstehen ist leicht. Grenzen setzen ist mutig.

Tun ≠ Dranbleiben
Einmal handeln ist kein Wandel. Erst Wiederholung, Verkörperung (#Embodiment) und Integration formen neue neuronale Pfade.

Kurz gesagt: Veränderung passiert nicht im Kopf, sondern im Verhalten und damit auch im Körper. Und damit sag‘ ich ganz klar: JA, Wissen – oder sagen wir besser Information - ist heute reichlich vorhanden. Gleichzeitig gelingt Umsetzung erst, wenn all‘ diese Informationen in handhabbare Portionen zerlegt, in den persönlichen, individuellen Alltag transferiert und neurobiologisch verankert werden #NeuroHacks. Genau hier setzen meine beiden Workshops bei der SUCCESS 2026 an.

BC: Abschließend: Wenn Sie den Teilnehmerinnen der SUCCESS nur einen einzigen Rat für die Zusammenarbeit mit ihrem Chef oder ihrem Team mitgeben dürften, welcher wäre das?

Mack: Führe zuerst dich selbst.
Dann wird alles andere leichter.

BC: Sehr geehrte Frau Mack, Herzlichen Dank für dieses spannende Gespräch. Gute Führung beginnt bei der Selbstführung, das ist ein schöner Gedanke zum Abschluss und wir freuen uns darauf, das gemeinsam bei der SUCCESS weiterzudenken.

(c) Fotos: Florian Voggeneder, Markus Schneeberger, Business Circle

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