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HR Data Strategy Day

KI verändert HR, aber ersetzt nicht Verantwortung. Ein Gespräch mit Madeleine Bauer-Eder

Madeleine Bauer-Eder ist CHRO und Mitglied der Geschäftsführung der IBM Österreich mit über 20 Jahren internationaler HR-Erfahrung. Wir sprechen darüber, wie HR handeln muss, um vom administrativen Dienstleister zum strategischen Gestalter der Workforce Transformation zu werden und wie KI dabei helfen kann.

Business Circle: Sehr geehrte Frau Bauer-Eder, HR verfügt heute über mehr Daten als je zuvor. Welche Daten schaffen aus Ihrer Sicht tatsächlich strategischen Mehrwert und welche werden häufig überschätzt?

Madeleine Bauer-Eder: Nicht die Menge der Daten schafft Mehrwert, sondern die Qualität und ihre Relevanz für Geschäftsentscheidungen. Aus meiner Sicht sind vor allem Skills-Daten, Workforce-Planungsdaten, Fluktuationsrisiken sowie Daten zur Entwicklung kritischer Kompetenzen strategisch wertvoll, die fundierte Förder- und Beförderungsentscheidungen unterstützen. Sie helfen uns, Personalentscheidungen stärker auf die Zukunft auszurichten und die HR-Strategie gezielt mit den Geschäfts- und Transformationszielen des Unternehmens in Einklang zu bringen.
Bei IBM haben wir zum Beispiel analysiert, welche Lernpfade dazu führen, dass Mitarbeitende in neue, höherqualifizierte Rollen wechseln und welche Trainings nachweislich die Performance steigern. Diese Erkenntnisse haben unsere Entwicklungsprogramme messbar verändert. Genau solche Zusammenhänge ermöglichen es uns im HR, Transformation aktiv zu steuern und einen messbaren Beitrag zum Unternehmenserfolg zu leisten. Sie helfen uns zu verstehen, welche Fähigkeiten künftig benötigt werden, wo Engpässe entstehen und welche Maßnahmen Talente langfristig binden.
Oft überschätzt werden hingegen isolierte Aktivitätskennzahlen. Zu wissen, wie viele Trainings absolviert oder wie viele Prozesse abgewickelt wurden, ist interessant, sagt aber noch wenig darüber aus, ob dadurch Fähigkeiten aufgebaut oder Geschäftsziele unterstützt wurden. Daten ohne Kontext sind Zahlen ohne Aussage. Erst wenn Daten Entscheidungen schärfen, werden sie zum strategischen Asset.

KI schafft mehr Raum für die Themen, die Mehrwert generieren

BC: Künstliche Intelligenz verändert die Arbeitswelt rasant. Wie verändert sie aus Ihrer Sicht die Rolle von HR in den kommenden Jahren?

Bauer-Eder: Ich bin überzeugt, dass KI die Rolle von HR stärker verändern wird als jede andere technologische Entwicklung der letzten Jahrzehnte. Nicht, weil sie unsere Aufgabe ersetzt, sondern weil sie HR die Möglichkeit gibt, Routinetätigkeiten zu vereinfachen und mit besser ausgewerteten Daten strategischer zu agieren.
Viele repetitive, administrative Tätigkeiten können automatisiert werden. Dadurch entsteht mehr Raum für die Themen, die den größten Mehrwert schaffen: Workforce Transformation, Skills-Strategien, Organisationsentwicklung und die datenbasierte Beratung von Führungskräften. Bei IBM nutzen wir KI heute etwa, um frühzeitig zu erkennen, welche Kompetenzen künftig gefragt sein werden, und darauf aufbauend gezielt zu investieren, bevor Engpässe entstehen. Das ermöglicht HR, proaktiv zu gestalten, statt auf Entwicklungen zu warten und damit näher am Business zu sein.
Und auch die Mitarbeitenden erwarten heute mehr: Sie wollen personalisierte Entwicklungsangebote, schnelle Antworten und transparente Prozesse. KI hilft uns, genau das zu liefern und HR damit als echten Partner im Arbeitsalltag erlebbar zu machen.
Gleichzeitig wächst die Verantwortung von HR. Wir müssen sicherstellen, dass KI fair, transparent und verantwortungsvoll eingesetzt wird. HR wird damit zur Übersetzerin zwischen dem, was KI möglich macht, und dem, was Menschen und Organisationen wirklich brauchen. Das ist keine unterstützende Rolle mehr, sondern eine gestaltende.

BC: Welche Voraussetzungen müssen Unternehmen schaffen, damit HR-Daten nicht nur analysiert, sondern tatsächlich in bessere Entscheidungen übersetzt werden?

Bauer-Eder: Der erste Schritt ist ein Perspektivenwechsel: Unternehmen sollten nicht mit den verfügbaren Daten starten, sondern mit den strategischen Fragen, die sie beantworten wollen. Gute HR-Analytics beginnt immer mit einer Business-Frage, nie mit einem Dashboard.
Darüber hinaus braucht es drei wesentliche Voraussetzungen: hohe Datenqualität, analytische Kompetenz und eine Führungskultur, die datenbasierte Entscheidungen aktiv einfordert und lebt. Führungskultur bedeutet in diesem Kontext: Führungskräfte, die Erfahrung und Urteilsvermögen mit datenbasierten Erkenntnissen verbinden können um die Daten als Erweiterung ihrer Entscheidungsgrundlage zu nutzen.
Und eines dürfen wir dabei nie vergessen: HR-Daten betreffen immer Menschen. Transparenz, Nachvollziehbarkeit, Fairness und klare Governance sind deshalb nicht nur Compliance-Themen, sondern Voraussetzung für Akzeptanz, Vertrauen und nachhaltige Wirksamkeit. Daten und KI können Entscheidungen deutlich besser vorbereiten. Die Verantwortung und Urteilskraft über diese Entscheidungen müssen aber immer beim Menschen bleiben.
Diese Überzeugung bringen wir auch in den HR Data Strategy Day mit, nicht als Theorierahmen, sondern anhand konkreter Beispiele, die zeigen, wo Unternehmen heute bereits KI-Projekte erfolgreich umsetzen. Dieser Austausch in der HR-Community ist für mich deshalb so wertvoll: Er schafft Raum für Best Practices, konkrete Anwendungsfälle und einen faktenbasierten Blick darauf, welche Ansätze bereits heute messbaren Mehrwert schaffen.

BC: Mensch, Daten oder KI. Wer trifft die Entscheidungen von morgen? Wenn Sie die Frage heute in einem Satz beantworten müssten, wie würde Ihre Antwort lauten?

Bauer-Eder: Menschen mit Urteilsvermögen und Empathie, die Verantwortung übernehmen und mithilfe von Daten und KI fundiertere Entscheidungen treffen.

BC: Sehr geehrte Frau Bauer-Eder, wir danken Ihnen für dieses spannende Gespräch und freuen uns auf einen weitergehenden Austausch im Rahmen des HR Data Strategy Day.

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