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Was in der Geldwäsche-Bekämpfung zum Erfolg führt. Ein Gespräch mit Dr. Sonja Reiher

Dr. Sonja Reiher leitet in der Steiermärkischen Sparkasse das Team Anti-Financial Crime. Mit der AMLA und verschärften EU-Vorgaben wächst der Druck auf Banken. Dr. Reiher erklärt, warum Risikoanalyse mehr ist als Pflichtübung – und weshalb man sich als Compliance Officer nicht immer beliebt machen kann.

Business Circle: Sehr geehrte Frau Dr. Reiher, unser letztes Interview ist jetzt schon etwas länger her (Herbst 2021). Sie haben damals betont, dass Geldwäscheprävention immer stärker in den Mittelpunkt der Bankenregulierung rückt. Wenn Sie auf die Entwicklungen der letzten Jahre blicken – hat sich diese Einschätzung bestätigt oder hat die Dynamik die Erwartungen sogar übertroffen?

Sonja Reiher: Ja, durch das AML-Paket, insbesondere durch die Installierung der AMLA -  der zentralen europäischen Geldwäschebehörde - wird sich doch einiges ändern und die Anforderungen werden noch weiter verschärft. Das zeigen die ersten RTS bereits ganz klar – und viele sind noch geplant, die kennen wir noch gar nicht. Die AML VO tritt aber bereits Mitte 2027 in Kraft und es benötigt Vorlaufzeit, dass alle Anforderungen dann rechtzeitig sowohl organisatorisch als auch EDV-seitig umgesetzt werden.

BC: Kritiker sagen, dass Banken mittlerweile einen enormen Teil ihrer Compliance-Ressourcen in Dokumentation und Reporting investieren müssen. Bleibt unter diesem Druck überhaupt noch ausreichend Raum für echte Risikoanalyse?

Reiher: Die Risikoanalyse ist das Herzstück einer gut funktionierenden, effektiven und effizienten Compliance. Nur wenn ich meine Risiken kenne, kann ich die Ressourcen auch zielgerichtet einsetzen. Für die Risikoanalyse müssen wir uns daher Zeit nehmen – diese ist nicht bloß ein regulatorisches „must have“.

BC: AML-Compliance bedeutet häufig, auch wirtschaftlich unangenehme Entscheidungen zu treffen – etwa Geschäftsbeziehungen zu beenden oder Transaktionen zu blockieren. Wie gelingt es, solche Entscheidungen gegenüber Vorstand oder Gesellschaftern überzeugend zu vertreten, ohne als „Businessbremser“ wahrgenommen zu werden?

Reiher: Bei jeder Entscheidung müssen die Risiken klar und offen angesprochen werden. Entscheidungen, die zur Beendigung von Geschäftsbeziehungen führen oder dass Transaktionen abgelehnt werden, werden ja nicht leichtfertigt getroffen, sondern immer anhand von Fakten und unter Risikogesichtspunkten. Wenn man das dann fundiert aufzeigt, und der Vorstand für ein „gesundes Portfolio“ steht, kann es ganz gut gelingen, nicht als „Businessbremser“ wahrgenommen zu werden, sondern als Risikomanager.

BC: Gerade in stark belasteten Teams entstehen schnell negative Dynamiken – etwa Frustration oder Rückzug. Welche Warnsignale sollten Führungskräfte früh erkennen?

Reiher: Mir ist es wichtig mit den Mitarbeitern im Dialog zu stehen. Ein Sprichwort sagt „beim Reden kommen die Leut zsam“. Darin steckt viel Wahrheit, denn im Gespräch bekommt man auch als Führungskraft schnell mit, wenn der Schuh drückt.

BC: Eine Frage zu Ihrer Vortragstätigkeit im Lehrgang „Zertifizierter AML & Sanctions Officer“. Welche Fragen oder Herausforderungen begegnen Ihnen dort am häufigsten aus der Praxis?

Reiher: Viele Kollegen beschäftigt das Thema, dass sie in ihrer Funktion bzw. in ihrer Rolle als Compliance Officer nicht ausreichend wahrgenommen werden. Daher bin ich oft mit Fragen konfrontiert, wie sich die Kollegen Gehör verschaffen können und ihre Anliegen auch in der Praxis umgesetzt werden.

Vorhandene Ressourcen gezielt einsetzen

BC: Wie beurteilen Sie den Reifegrad der Geldwäscheprävention in Österreich im europäischen Vergleich? Gibt es Bereiche, in denen österreichische Banken besonders gut aufgestellt sind?

Reiher: Meiner Meinung nach sind Österreichs Banken sehr gut aufgestellt. Auch die FATF hat den österreichischen Banken ein gutes Zeugnis ausgestellt.
Besonders nutzen die Banken den risikobasierten Ansatz, um die vorhandenen Ressourcen dort gezielt einzusetzen, wo die Bedrohung am größten ist.
Das in Österreich aufgebaute Register der wirtschaftlichen Eigentümer ist meiner Meinung nach sehr gut gelungen und erleichtert die Feststellung und Überprüfung der wirtschaftlichen Eigentümer bei einem Großteil der österreichischen Rechtsträger dadurch. Im Besonderen ist die Anbindemöglichkeit direkt an das Register, sodass Daten und auch Dokumente auf elektronischen Weg übernommen und auch aktualisiert werden können, eine echte Erleichterung im Alltag.

BC: Abschließend: Als AML-Officer muss man damit rechnen, sich auch mal unbeliebt zu machen, was würden Sie einer jungen Kollegin raten, wie damit am besten umzugehen ist?

Reiher: In dieser Funktion wird man nicht „everybody´s darling“ sein. Das muss einem klar sein. Und wenn das klar ist, muss man sich ehrlich die Frage stellen, ob man damit klarkommt! Da ist es meiner Meinung nach wichtig, dass man ehrlich mit sich selbst und zu sich selbst ist und dann wird jedem schnell klar sein, was für Schlüsse daraus zu ziehen sind. Eigenschaften wie Durchsetzungsvermögen, Überzeugungskraft, Beharrlichkeit und auch eine gewisse Konfliktbereitschaft sind für die Funktion des Compliance Officers besonders wichtig und das muss ein Compliance Officer als Grundvoraussetzung mitbringen – das kann man nur bis zu einem gewissen Grad lernen.

BC: Sehr geehrte Frau Dr. Reiher, vielen Dank für das Gespräch und Ihre pointierten Einschätzungen und die Perspektiven auf eine Disziplin, die nicht einfach, aber entscheidend ist. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen live auf unserer Bühne!

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