M&A: Grunderwerbsteuer als Dealbreaker? Interview mit Katharina Kubik
Business Circle: Sehr geehrte Frau Dr. Kubik, Sie bewegen sich seit vielen Jahren im internationalen Steuerrecht. Möchten Sie uns eingangs kurz skizzieren, wie Sie ihr Weg dorthin geführt hat und warum es gerade dieses Rechtsgebiet sein sollte?
Katharina Kubik: Meinen Weg in das (internationale) Steuerrecht hat die WU Wien entscheidend mitgestaltet. Schon das Studium der internationalen Betriebswirtschaft hat für mich die Richtung in das Steuerrecht aufgrund des dafür geforderten juristischen wie auch wirtschaftlichen Verständnisses aufgezeigt. Über das Institut für österreichisches und internationales Steuerrecht der WU Wien und die dort verfasste Dissertation ist der steuerrechtliche Pfad für mich immer klarer geworden und bei der Weggabelung Anwaltschaft oder Steuerberatung war schlussendlich dann ua auch mein Doktorvater „richtungsweisend“ zugunsten der Anwaltschaft tätig (nach Abschluss meines juristischen Studiums).
BC: Das Budgetbegleitgesetz 2025 soll die Grunderwerbsteuer reformieren, ist das der erhoffte große Wurf und wenn nicht, oder nicht so ganz, wo sollte nachgebessert werden?
Kubik: Jedes neue Gesetz kann in meinen Augen in der Umsetzung nur so gut sein, wie es ausreichend guidance und Erläuterungen gibt, um Unklarheiten und Unsicherheiten vorzubeugen bzw diese von Beginn an auszuräumen. Dies gilt für mich auch für die reformierte Grunderwerbsteuer und hoffe ich für die Praxis, dass es hierzu noch weitere Informationen geben wird, um sagen zu können, wo nachgebessert werden sollte (der Begutachtungsprozess hatte damals bereits einige Punkte für mögliche Nachbesserungen aufgezeigt).
BC: Welche Auswirkungen hat das in der M&A-Praxis, vor allem im Immobilienbereich? Wie werden Transaktionen jetzt anders strukturiert als noch vor zwei Jahren?
Kubik: Insbesondere die indirekten Übertragungen von österreichischen grundstückshaltenden Gesellschaften bringen zusätzliche Komplexitäten in internationale, mehrere Jurisdiktionen betreffende Transaktionen. Das braucht einen sensiblen und genauen Umgang mit der Struktur auf Mandanten- und Beraterseite, unter Beiziehung der jeweiligen Steuerrechtsteams. Va auch, um die mit der Grunderwerbsteuer verbundenen Compliance-Themen rechtzeitig erkennen und auch entsprechend in Verträgen reflektieren zu können.
Wie sich die Spielregeln des internationalen Steuerrechts verändern
BC: Sie beschäftigen sich auch mit Paradigmenwechseln im internationalen Steuerrecht und Nachhaltigkeitsthemen. Wo sehen Sie die größten steuerlichen Risikoquellen der kommenden fünf Jahre: ESG, internationale Besteuerung, KI-getriebene Geschäftsmodelle, geopolitische Unsicherheiten oder ganz andere Themen?
Kubik: Das internationale Steuerrecht sieht sich schon seit Längerem vor der Herausforderung, gut gediente Prinzipien auf geänderte Geschäftsmodelle anwenden zu müssen. Die Digitalisierung und der immer globalere Markt waren (bzw sind) ein Baustein in dieser Komplexität. KI bringt weitere Themen mit sich, weil sich dadurch Geschäftsmodelle nochmals verändern und sie die steuerlichen Prinzipien noch weiter in Frage zu stellen vermag. Unsicherheiten, der immer öfter zu beobachtende Drang nach Nationalisierung, aber auch staatliche Budgetdiskussionen stellen Steuerpflichtige bereits jetzt vor Herausforderungen (im Compliance-Bereich, aber auch in Betriebsprüfungen) und werden dies wahrscheinlich noch länger und weiter machen.
BC: Daran anschließend und mit Ihrer Erfahrung als Lektorin an der Uni und WU: Was würden Sie einer jungen Jus-Studentin raten, die sich für eine Karriere im internationalen Steuerrecht interessiert?
Kubik: Den Versuch zu wagen und sich dem Steuerrecht zu widmen. Wenige andere Rechtsmaterien sind so stetig im Wandel begriffen, wie das Steuerrecht, und erfordern – wie oben beschrieben – ein wirtschaftliches und juristisches Verständnis.
BC: Zum Schluss etwas Persönliches: Sie kennen die RuSt schon aus eigener Erfahrung. Was ist für Sie das Besondere an dieser Konferenz?
Kubik: Die Möglichkeit des Austausches über juristische Fachgebiete hinweg, auch auf einer persönlichen Ebene, und das mit einer Vielzahl von spannenden Menschen. Sowie alle Aktivitäten rund um das Fachprogramm.
BC: Sehr geehrte Frau Dr. Kubik, herzlichen Dank für das Gespräch. Wir sind gespannt auf Ihren Vortrag bei der RuSt!

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