Neben der künstlichen Intelligenz die menschliche Intelligenz im Auge behalten: Vienna Legal Innovation ‘26
Besonders wichtig ist die enge Kooperation mit dem Fachbeirat, der die inhaltliche Ausrichtung maßgeblich mitgestaltet. Damit gab es auch einen Aufruf an das Publikum: Der Austausch soll nicht auf die Veranstaltung beschränkt bleiben. Alle sind ausdrücklich eingeladen, sich mit Themenvorschlägen, Fragen und Impulsen aktiv an Business Circle, den Fachbeirat oder die Gastgeber zu wenden – als Grundlage für die Weiterentwicklung zukünftiger Formate.
Die zweite Quantenrevolution – von Science Fiction zu echter Disruption | Richard Kueng, JKU Linz
Was passiert, wenn ein neugieriger Kopf aus dem Mühlviertel plötzlich über die Grenzen unserer Realität hinausdenkt? Genau dort setzte Richard Kueng an – irgendwo zwischen Kindheitsentdeckerdrang und High-End-Quantenphysik.
Sein Ausgangspunkt: Wir glauben, die Welt sei erforscht. Stimmt – zumindest auf der Landkarte. Aber im ganz Großen (Galaxien) und im ganz Kleinen (Quantenebene) tappen wir noch erstaunlich im Dunkeln. Und genau dort wird es spannend.
Quantencomputer? Vergiss „einfach schnellere Rechner“. Hier geht es darum, die Spielregeln komplett neu zu schreiben. Während klassische Bits nur die Zustände 0 oder 1 kennen, können in der Quantenwelt mehreren Zuständen abgebildet werden. Klingt nach Sci-Fi, ist aber handfeste Forschung. Das Ergebnis: völlig neue Rechenlogiken, weniger Rechenschritte, ganz andere Lösungsansätze für komplexe Probleme. Noch sind wir bei einigen tausend „Qubits“ – weit entfernt von den Milliarden Bits, die in jedem Smartphone stecken. Aber: Das Wachstum ist exponentiell. Und genau hier wird’s ernst. Denn mit dieser Rechenpower könnten bestehende Verschlüsselungssysteme irgendwann einfach… obsolet werden. Passwortschutz? Könnte in einer Quantenwelt ganz anders aussehen.
Was heißt das: Wir stehen nicht vor einem Upgrade. Wir stehen vor einem Systemwechsel. Oder anders gesagt – das ist keine Evolution der IT, das ist die nächste digitale Revolution.
PANEL: Too many tools - too much to buy.
Warum der Markt platzt, aber Lücken bleiben. Die Marktumschau in der Legal Tech Toollandschaft Elisabeth Hueck, Hubert Burda Media | Silke Graf, PwC Legal Christian Sparl, ALPLA | Moderation: Martin Giesswein, WU Executive Academy
Der Legal-Tech-Markt wächst rasant – doch mehr Tools bedeuten nicht automatisch bessere Lösungen. Zwischen Angebotsflut und tatsächlichem Bedarf klafft oft eine Lücke. Die Diskussion zeigte: Erfolgreiche Tool-Implementierung ist weniger eine Frage der Technologie als vielmehr von Strategie, Change Management und realistischen Erwartungen.
Einige Aussagen aus der Diskussion:
• Erst die Anforderungen definieren – und dann das passende Tool auswählen, nicht umgekehrt.
• Budgetentscheidungen liegen oft beim Top-Management, das technische Details nur begrenzt einschätzen kann.
• Ein gutes Tool allein reicht nicht: Zeit, Geduld und aktives Onboarding des Teams sind entscheidend.
• Change-Prozesse brauchen Frustrationstoleranz – Widerstände sind Teil der Implementierung.
• Realistisch sind 6 Monate (oder mehr), bis Tools wirklich akzeptiert und genutzt werden. Und nach der Einführungsphase gilt es kritisch zu hinterfragen: Tool ungeeignet – oder mangelnde Akzeptanz im Team?
QUERGEDACHT Session mit Robert Seeger- Raus aus der KI Durchschnitts-Falle – rein ins reine Glück!
Zum Abschluss des ersten Konferenztages wurde es wie gewohnt provokant und inspirierend: Robert Seeger stellte die Frage, was von einem Tag Wissensvermittlung bleiben soll – und lieferte klare Antworten. Zwischen KI-Hype und Realität machte er deutlich, dass Technologie allein keinen Unterschied macht – entscheidend ist, wie wir sie einsetzen.
KI verändert vieles, aber nicht automatisch alles. Neues ist immer ambivalent: Es kann echten Fortschritt bringen oder lediglich bestehenden Durchschnitt skalieren. Gleichzeitig verschwimmt zunehmend die Grenze zwischen „echt“ und „künstlich“, wodurch auch ganz neue ethische Fragestellungen entstehen. In diesem Kontext könnte „Made by Mensch“ künftig sogar zu einem eigenen Qualitätsmerkmal werden. KI ist kein Ersatz für menschliche Leistung. Sie soll unterstützen, nicht ersetzen. Ihr größter Mehrwert liegt darin, uns repetitive oder ungeliebte Aufgaben abzunehmen – also genau jene Dinge, die wir nicht können oder nicht machen wollen. Richtig eingesetzt schafft sie Freiräume für das, was wirklich zählt: Kreativität, kritisches Denken und echte Wertschöpfung.
Der entscheidende Perspektivenwechsel liegt dabei im Mindset: weg vom Wettbewerb zwischen Mensch und Maschine, hin zu einem produktiven Zusammenspiel. Nicht Duell, sondern Duett – das ist das Modell der Zukunft.
Nach der inhaltlichen Achterbahnfahrt ging es zur Abendveranstaltung in den Prater, wo man noch einmal richtig Achterbahn und sogar Geisterbahn fahren konnte.
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Strategische Vertragsgestaltung im Weltkonzern: Legal Design als Erfolgsfaktor bei Siemens
Wie sich rechtliche Komplexität in globalen Organisationen effizient managen lässt, zeigten Wolfgang Raschka (Siemens Österreich) und Dana Stumpe (Siemens Headquarter Erlangen) anhand der Siemens Terms of Sale (STS). Ziel war es, Vertragswerke zu entwickeln, die rechtlich einwandfrei, global einsetzbar und gleichzeitig in der Praxis anwendbar sind. Ein zentraler Erfolgsfaktor war die klare Trennung zwischen standardisierten, zentral gesteuerten Vertragsbedingungen und den geschäftsspezifischen Inhalten, die individuell in den jeweiligen Aufträgen geregelt werden. Dadurch bleibt die juristische und Compliance-seitige Basis konsistent, aber technische Anforderungen können flexibel abgebildet werden.
Ohne Nutzerfreundlichkeit kann das nicht funktionieren: Die Technik-Teams müssen nicht juristisch ausgebildet sein, um rechtssichere Verträge anwenden zu können. Man muss auch kein Automechaniker sein, um den Führerschein zu machen. Außerdem ist entscheidend, von Beginn an die relevanten Stakeholder einzubinden, insbesondere die oberste Führungsebene in den jeweiligen Ländern.
Der globale Rollout erfolgte schrittweise, zunächst mit freiwilligen Pilotanwendungen, um Akzeptanz zu schaffen und Erfahrungen zu sammeln. Die größte Herausforderung lag dabei in der konzeptionellen Trennung zwischen zentraler juristischer Struktur und lokalen Anforderungen.
Der Erfolg des Projekts zeigt Wirkung: Aufbauend auf den Erfahrungen werden ähnliche Ansätze nun auch im Partner- und Lieferantenmanagement weiterentwickelt.
Abschlusspanel: She for Law – warum weibliche Perspektiven in der Legal Innovation unverzichtbar sind
Zum Abschluss der Konferenz rückte ein Thema in den Fokus, das über Legal Tech hinausgeht. Die Diskussion machte deutlich, dass Fortschritt nicht nur technologische Innovation braucht, sondern auch kulturellen Wandel. Kernsätze aus der Diskussion:
• In juristischen Karrieren sind weibliche Perspektiven notwendig, aber noch unterrepräsentiert.
• Trotz vergleichsweise guter Zahlen im juristischen Bereich (ca. 30 % Frauen in Führungspositionen) besteht weiterhin deutlicher Aufholbedarf – insbesondere im Vergleich zu anderen Branchen.
• Transparenz, Sichtbarkeit und Role Models sind entscheidend, um Veränderungen nachhaltig voranzutreiben.
• Empowerment beginnt im Alltag: „Speak up“ – etwa bei Grenzüberschreitungen – und das Wissen um Verbündete auf Führungsebene stärken die eigene Position.
• Der Markt bietet Handlungsspielräume: Wer sich nicht wertgeschätzt fühlt, sollte aktiv Veränderungen suchen.
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Zum Abschluss fassten Julia Karte und Moritz Mirascija die ganze Konferenz noch einmal zusammen: Zwischen Quantencomputing, KI-Einsatz und kulturellem Wandel steht die Rechtsbranche nicht am Anfang, sondern mitten in der Transformation. Jetzt geht es nicht nur um Tools – sondern um die richtige Umsetzung und den Mut, etwas Neues anzupacken.
Die Vienna Legal Innovation ‘27 findet statt am 8./9. April

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