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Smart Underwriting im B2B: Wenn aus Dokumentenchaos wieder Risikourteil wird

Das Problem ist nicht fehlendes Know-How – sondern fehlende Zeit

Im Firmenkundengeschäft ist Underwriting heute ein Hochleistungsjob. Risiken werden komplexer, Datenquellen vielfältiger und Reaktionszeiten entwickeln sich zunehmend zum Wettbewerbsfaktor. Gleichzeitig sind erfahrene Underwriter:innen knapp und dann fließt ein großer Teil ihrer Arbeitszeit nicht in die eigentliche Risikobeurteilung, sondern in administrative Vorarbeiten.

Die Konsequenz ist im Alltag spürbar: Der stetig wachsende Strom an Anfragen kann längst nicht mehr vollständig und gleichwertig bearbeitet werden. Ein signifikanter Anteil der eingehenden Anträge bleibt faktisch liegen oder wird nur oberflächlich gesichtet – schlicht, weil die Zeit fehlt. Aus dem Stapel der Anfragen werden jene Maklerfälle priorisiert, bei denen die Chance auf eine zeitgerechte und vollständige Bearbeitung realistisch erscheint. Das ist keine strategische Entscheidung, sondern oftmals gelebte Notwendigkeit.

Genau hier setzt Smart Underwriting an: nicht als KI-Spielerei, sondern als Antwort auf strukturelle Engpässe. Ziel ist eine deutlich bessere Arbeitsteilung, wo die KI bei Routinen entlastet und sich Underwriter:innen wieder auf Analyse, Einordnung und Entscheidung konzentrieren können.

Agentic AI übernimmt nicht das Urteil – sondern die Vorarbeit

Die größten Verzögerungen entstehen oft vor der eigentlichen fachlichen Zeichnungsentscheidung: E-Mails sichten, Anhänge prüfen, Angaben abgleichen, fehlende Informationen identifizieren, Richtlinien durchsuchen, Daten übertragen und Unterlagen für die fachliche Prüfung aufbereiten. Gerade bei komplexen Unternehmensrisiken summieren sich diese Schritte zu einem erheblichen Zeitblock.

Agentenbasierte KI-Systeme können genau hier ansetzen und substantiell unterstützen. Das Underwriting wird aber damit nicht „autonom“. Die fachliche Entscheidung bleibt beim Menschen. Aber der Prozess wird deutlich besser vorbereitet, konsistenter und mit weniger Sucharbeit, weniger Medienbrüchen und mehr Zeit für Risikoanalyse, Pricing und Kundenentscheidung.

Der Hebel ist vor allem bei komplexen Unternehmensrisiken groß, wo große Mengen unstrukturierter Informationen zusammengeführt und länderspezifische Anforderungen berücksichtigt werden müssen -  heute oft in zeitintensiven manuellen (Endlos-)Schleifen.

Smart Underwriting als Transformationsthema - und nicht nur IT-Thema

Smart Underwriting ist damit mehr als ein Effizienzthema. Es erfordert ein klares Zielbild für den End to End Prozess, definierte Rollen zwischen Mensch und KI, verlässliche Datenqualität sowie wirksame Governance. Erst im Zusammenspiel dieser Bausteine entsteht ein besseres und belastbares Betriebsmodell.

Die entscheidende Frage lautet daher nicht mehr, ob KI das Underwriting verändert, sondern wie Versicherer diese Veränderung verantwortungsvoll und aktiv in ihr Tagesgeschäft integrieren.

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