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Wohlfühlen im Betrieb ist mehr als „nice to have“: Franziska Kottnig im Gespräch über Wellbeing und Workload

Franziska Kottnig ist Expertin für Corporate Wellbeing. Im Interview erklärt sie, warum Gesundheit längst ein strategischer Faktor für Produktivität, Motivation und Mitarbeiterbindung ist

Business Circle: Sehr geehrte Frau Kottnig, würden Sie uns eingangs bitte kurz erklären, was das Geschäftsmodell von myClubs ist?

Franziska Kottnig: Sehr gerne. myClubs ist der größte Anbieter für Corporate Fitness in Österreich. Das Geschäftsmodell ist einfach: myClubs ermöglicht mit nur einer digitalen Mitgliedschaft Zugang zu über 1.000 Sportanbietern in ganz Österreich und zu 35 verschiedenen Sportarten, von Yoga über Pilates bis hin zu Fitnessstudios, Schwimmbädern oder Spinning.
Mit dem myClubs Firmenfitness Angebot können Unternehmen Sportabos für Mitarbeitende voll- oder teilfinanzieren - so kann ihr Team im größten Sportnetzwerk Österreichs trainieren. Durch die Vielfalt und Flexibilität des Angebots ist myClubs ein Benefit für alle Zielgruppen und Unternehmen stärken damit nicht nur das körperliche, sondern auch das geistige und soziale Wohlbefinden von Mitarbeitenden.

BC: Corporate Wellbeing als Führungsinstrument – im Ernst? Ist Wohlfühlen im Betriebsklima nicht eher ein „nice to have“. Oder denkt man da zu sehr in überkommenen Kategorien – haben Sie ein Beispiel, bzw. eine Erfolgsgeschichte, wie Corporate Happiness den Unternehmenserfolg messbar steigert?

Kottnig: Das Wichtigste zuerst: Corporate Wellbeing darf nicht einfach als “Wohlfühlen” im Betriebsklima missinterpretiert werden, sondern muss gemäß seiner Definition verstanden werden: Corporate Wellbeing bezieht sich auf Maßnahmen zur Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden der Mitarbeitenden eines Unternehmens. Dabei geht es um alle drei Dimensionen von Gesundheit: körperlich, geistig und sozial.
Die Erkenntnis, dass Mitarbeitende das wertvollste und zugleich sensibelste Kapital jedes Unternehmens sind, ist nicht neu - es liegt daher auf der Hand, durch Corporate Wellbeing Maßnahmen vor allem die Resilienz von Mitarbeitenden zu stärken.
Wer das Wellbeing seiner Mitarbeitenden als 'Nice to have' abstempelt, ignoriert die ökonomischen Fakten: Wellbeing Maßnahmen erhöhen nachweislich die kognitive Leistungsfähigkeit und die Resilienz von Mitarbeitenden. Außerdem steigern sie die Motivation sowie die Bindung von Mitarbeitenden und reduzieren krankheitsbedingte Fehlzeiten. In Zahlen: 10% mehr Umsatz, 25% weniger Krankheitstage, 40% weniger Fluktuation.

BC: Daran anschließend: Welche Kennzahlen und Messgrößen verwenden Sie, um den Erfolg Ihrer Projekte zu bewerten und zu kommunizieren?

Kottnig: Unser wichtigster KPI ist die Aktivierungsrate, denn Corporate Wellbeing Maßnahmen sind nur dann sinnvoll und wirksam, wenn sie auch aktiv genutzt werden. Über unsere Plattform sehen wir und unsere Kund:innen transparent und exakt, wie intensiv das myClubs Angebot genutzt wird - sprich, ob der Benefit von der Belegschaft tatsächlich als Mehrwert angenommen wird. Weiterführende KPIs wie der eNPS (Employee Net Promoter Score) oder krankheitsbedingte Fehlzeiten werden zusätzlich bei den meisten unserer Kund:innen erhoben, allerdings intern. Warum? Weil myClubs zumeist eine von mehreren Maßnahmen in einem ganzheitlichen Corporate Wellbeing Programm ist. Unsere Daten zur Aktivierungsrate bilden eine entscheidende Basis, die Unternehmen für ihr HR-Controlling benötigen, um den Erfolg ihrer Wellbeing-Strategie bewerten zu können.

BC: Viele Organisationen investieren in Wellnessangebote, verändern aber die Arbeitslast nicht. Kann Wellbeing überhaupt funktionieren, wenn Workload und Taktung unangetastet bleiben?

Kottnig: Das ist ein kritischer Punkt. Wellbeing Maßnahmen können eine toxische Arbeitskultur nicht kompensieren. Wenn die Arbeit dicht bleibt, keine Zeit für Pausen eingeräumt und kein Raum für Regeneration im Arbeitsalltag geschaffen wird, hilft auch die Yoga-Stunde am Abend nur bedingt. Aber: Bewegung ist der wichtigste Katalysator für die Stärkung von Resilienz, Stressabbau und mentaler Klarheit.
Ein effektives Wellbeing Programm, das Maßnahmen wie myClubs umfasst, muss Hand in Hand mit einer gesunden Arbeitsorganisation gehen. Wir sehen uns als Teil der Lösung, um die notwendigen Regenerationsphasen so attraktiv und einfach wie möglich zu gestalten: Flexibel, zeit- und ortsunabhängig und extrem individuell.

Gesundheit als Voraussetzung für exzellente Arbeit

BC: Lead the leaders: Welche Rolle spielen Führungskräfte, wenn es darum geht, Wellbeing nicht als Benefit, sondern als Leistungsfaktor zu etablieren?

Kottnig: Führungskräfte haben hier auf jeden Fall einen zentralen Hebel, und zwar nicht nur in der Gestaltung des Arbeitsumfeldes, sondern auch in ihrer Vorbildfunktion. Nur, wer selbst auf sein Wohlbefinden achtet und es aktiv Angebote nutzt, gibt auch dem Team die psychologische Erlaubnis, ebenfalls auf die eigene Gesundheit zu achten. Führungskräfte müssen Wellbeing als Leistungsfaktor begreifen: Gesunde Mitarbeitende haben eine erhöhte Resilienz und können nach Belastung wieder in einen leistungsfähigen Zustand zurückkehren anstatt auszufallen. Wir verstehen Gesundheit als Voraussetzung für exzellente Arbeit.

BC: Employer Branding lebt von attraktiven Narrativen. Wie groß ist die Gefahr, dass Wellbeing zum Marketinginstrument wird, während die interne Realität anders aussieht? Und wie kann das Unternehmen dagegenwirken?

Kottnig: Die Gefahr ist auf jeden Fall real. Wie generell im Marketing gilt auch im Employer Branding: Oberflächliche Maßnahmen sind der Feind von nachhaltigem Erfolg und untergraben die Glaubwürdigkeit. Wahre Authentizität entsteht erst, wenn das, was man nach außen verspricht, auch nach innen konsequent gelebt wird. Wellbeing darf also kein isoliertes Add-on sein, sondern muss fest in die Arbeitskultur integriert werden - am besten in Form eines ganzheitlichen Corporate Wellbeing Programms, das Maßnahmen für körperliche, geistige und soziale Gesundheit umfasst. Mitarbeitende haben ein sehr feines Gespür für Inkonsistenzen: Wenn ein Unternehmen zwar mit Wellbeing wirbt, aber die Arbeitslast keinen Raum für tatsächliche Regeneration zulässt, entsteht Zynismus statt Bindung.

BC: Abschließend: Willkommen zurück! Sie kennen unsere Bildungsformate schon aus eigener Erfahrung, was gefällt Ihnen bei Business Konferenzen besonders?

Kottnig: Mir gefällt besonders der Mix aus fundierten Inputs und dem echten, menschlichen Austausch. Was die Inputs betrifft, schätze ich besonders die kreativen Formate, die den Mut haben, über den Tellerrand hinauszuschauen. Und was den Austausch betrifft, freue ich mich besonders auf die Energie im Raum, die entsteht, wenn Menschen gemeinsam an der Zukunft der Arbeitswelt bauen - und sich dafür aktiv mehrere volle Tage abseits des Arbeitsalltags Zeit nehmen.

BC: Sehr geehrte Frau Kottnig, wir danken Ihnen für dieses Gespräch und die klaren Worte darüber, warum Unternehmen, die Gesundheit ernst nehmen, auch wirtschaftlich langfristig profitieren. Bis bald bei uns live auf der Bühne!

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