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Mehr digitale Souveränität und mehr Inklusion beim Bezahlen – was digitaler Euro und Oesterreichische Nationalbank dazu beitragen

Digitale Souveränität und Inklusion sind wesentlich für die wirtschaftliche Zukunft Europas. Insbesondere vor dem Hintergrund aktueller geopolitischer Herausforderungen, dem Einfluss großer US-BigTechs und dem technologischen Wandel gewinnen zwei Fragen zunehmend an Bedeutung: Wer gestaltet die zentrale Infrastruktur unserer digitalen Wirtschaft und wer hat dazu Zugang?

Der elektronische Zahlungsverkehr spielt dabei eine Schlüsselrolle in Europa, zumal selbst in bargeldaffinen Ländern wie Österreich immer mehr Menschen immer seltener in bar und immer öfter digital bezahlen. Der Zugang zu sicheren, einfachen und inklusiven Zahlungssystemen ist eine Grundvoraussetzung für wirtschaftliche Teilhabe. Und genau an diesem Punkt treffen zwei für Europa zentrale Themen – digitale Souveränität und finanzielle Inklusion – auf eines der derzeit wichtigsten europäischen Infrastrukturprojekte: den digitalen Euro, der als digitaler Zwilling das Euro-Bargeld ergänzt.

Der digitale Euro für mehr Europa und mehr Inklusion im Zahlungsverkehr

Als eines der wichtigsten europäischen Innovationsprojekte im Finanzbereich soll der digitale Euro einerseits analoges Bargeld ergänzen und Zentralbankgeld zukunftsfit machen. Andererseits kann er als echte europäische Zahlungslösung eine bisher bestehende Lücke schließen und den Menschen als Alternative zu privaten Zahlungsmitteln eine zusätzliche Wahlmöglichkeit bieten.

Wesentlich dabei ist, dass der digitale Euro ebenso wie Bargeld ein öffentliches Gut und gesetzliches Zahlungsmittel ist. Als digitale Zentralbankwährung des gesamten Euroraums soll er somit nicht nur zur strategischen Unabhängigkeit europäischer Systeme gegenüber außereuropäischen Zahlungsdienstleistern beitragen, sondern auch gesellschaftspolitische Anforderungen erfüllen. Konkret heißt das, dass ein inklusiv gestalteter digitaler Euro für alle Menschen im Euroraum ebenso einfach und sicher wie Bargeld verfügbar und zugänglich sein soll. In diesem Sinn ist Inklusion nicht bloß eine „nette“ Ergänzung, sondern integraler Bestandteil digitaler Souveränität und einer resilienten europäischen Zahlungsverkehrslandschaft.

Welche Barrieren können nun für Menschen im Zusammenhang mit der zunehmenden Digitalisierung im elektronischen Zahlungsverkehr entstehen? Mögliche Schwierigkeiten bzw. Ausschlussgründe können aufgrund mangelnder digitaler Kompetenzen, fehlender Infrastruktur oder auch ökonomischer Barrieren entstehen. Gerade im elektronischen Zahlungsbereich ist es daher wichtig, die Bedürfnisse der Nutzer:innen zu berücksichtigen. Seien es nun Personen mit unterschiedlich stark ausgeprägten digitalen Fähigkeiten, ältere Bevölkerungsgruppen, Menschen mit Behinderungen bzw. besonderen Bedürfnissen oder Menschen ohne den üblichen Zugang zu Finanz- und Bankdienstleistungen.

Genau diese Anforderungen der Nutzer:innen sollen in die Konzeption eines inklusiv gestalteten digitalen Euro einfließen – selbstverständlich in Einklang mit geltenden Rechtsvorschriften (etwa der EU-Richtlinie zur Barrierefreiheit) und auf Basis einschlägiger Nutzerforschung. Daher gilt:

• Barrieren abbauen: Durch einfache Nutzbarkeit, intuitive Benutzungsoberflächen und alternative Zugangsmöglichkeiten kann ein digitaler Euro auch Menschen erreichen, die bisher wenig Zugang zu digitalen Finanzdienstleistungen hatten.

• Vertrauen stärken: Als öffentliches Zentralbankgeld und gesetzliches Zahlungsmittel bietet der digitale Euro ein hohes Maß an Stabilität, Verlässlichkeit und Sicherheit – ein entscheidender Faktor für jene, die digitalen Lösungen gegenüber eher skeptisch sind.

• Selbstbestimmung fördern und Sicherheit gewährleisten: Dank hoher Standards bei Privatsphäre und Datenschutz sowie transparenter Nutzungskonzepte stärkt ein digitaler Euro die Kontrolle der Nutzer:innen über ihre eigenen (Finanz-)Daten, die überdies in Europa verbleiben.

• Resilienz sichern: Optionen wie Offline-Zahlungen können sicherstellen, dass digitale Transaktionen auch in Ausnahmesituationen möglich bleiben.

Während die EU-Gesetzgeber (Rat und Parlament) gerade dabei sind, die gesetzlichen Grundlagen für den digitalen Euro auf Basis des Kommissionsvorschlags von Juni 2023 zum einheitlichen Währungspaket zu konzipieren, arbeitet das Eurosystem an der technischen Umsetzung.  Die Vorbereitungen einer für 2027 geplanten Pilotphase haben 2026 begonnen. Dabei spielt die Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) eine nicht unwesentliche Rolle.  

Die Oesterreichische Nationalbank als Impulsgeberin finanzieller Inklusion

Als nationale Zentralbank der Republik Österreich gestaltet die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) den digitalen Euro in zweifacher Hinsicht mit. Einerseits trägt die OeNB gemeinsam mit fünf weiteren nationalen Zentralbanken (Bundesbank, Banque de France, Banco de Espana, Banca d’Italia und litauischer Notenbank Lietuvos Bankas) aktiv zur Entwicklung des digitalen Euro bei. Andererseits ist die OeNB für die nationale Umsetzung dieser möglichen digitalen Zentralbankwährung in Österreich zuständig.

Inklusion war der OeNB im Zusammenhang mit dem Projekt digitaler Euro von Anfang an bereits ein zentrales Anliegen. So gab es nicht nur einen regelmäßigen Austausch mit den unmittelbar befassten Stakeholdern und Marktteilnehmer:innen wie Banken, Zahlungsdienstleistern und Handel. Sondern die OeNB ging 2024 auch aktive auf Interessenvertreter:innen, der von finanzieller und digitaler Exklusion potenziell betroffener Personengruppen zu. Im Rahmen des Stakeholder-Forums digitaler Euro initiierte die OeNB als erste Notenbank des Eurosystems eine Arbeitsgruppe zu finanzieller Inklusion. In einem ersten Schritt wurde dabei gemeinsam die Ausgangslage in Österreich analysiert und die Ergebnisse 2025 im Rahmen einer Fachtagung der Öffentlichkeit präsentiert. Der Bericht skizzierte die von Ausgrenzung bedrohten Gruppen, bestehende Barrieren und Bedürfnisse der Nutzer:innen, Best-Practice-Beispiele sowie Anforderungen an einen inklusiven öffentlichen Zahlungsdienstleister.

In einem zweiten Schritt wurde dann die Arbeitsgruppe letztes Jahr auf mehr als 35 Organisationen ausgeweitet, ein Workshop zu Betroffenheitsgraden organisiert und eine Studie zur Betroffenheit von digitaler Exklusion in Österreich initiiert. Dieses Forschungsprojekt wurde erstmals bei der Zero-Project-Konferenz 2026 in der UNO in Wien vorgestellt. Derzeit läuft die Auswertung. Erste Resultate werden bei der jährlichen Konferenz Open Forum Digital Euro & Zahlungsverkehr am 8. Juli 2026 in der OeNB vorgestellt. Am 7. September 2026 organisiert die OeNB dazu überdies gemeinsam mit AccessibleEU – einer Initiative der Europäischen Kommission – eine hybride Veranstaltung zu digitalem Euro und finanzieller Inklusion – Europas Weg zwischen Regulierung, Innovation und Verantwortung.

Erfolgsfaktoren für einen inklusiven digitalen Euro sind jedenfalls dessen einfache Verfügbarkeit, breite Zugänglichkeit und hohe Benutzungsfreundlichkeit, flankiert von entsprechenden Informations- und Bildungsmaßnahmen.

In diesem Zusammenhang sind abgesehen von Gesetzgeber und öffentlichen Stellen aufgrund des Public-Private-Partnership-Ansatzes selbstverständlich auch Wirtschaft, Handel und Unternehmen gefragt. Denn Inklusion im Zahlungsverkehr als Teil der Customer Experience kommt schließlich allen Nutzer:innen zugute. Damit könnten Unternehmen nicht nur einen aktiven Beitrag zur gesellschaftlichen Transformation leisten, sondern sich auch Wettbewerbsvorteile sichern.

Der digitale Euro ist mehr als der digitale Zwilling des Eurobargelds und mehr eine bloße Alternative zu privaten Zahlungsmitteln: Der digitale Euro bringt Digitalisierung und Innovation in Einklang mit europäischen Werten und Standards. Damit stärkt er nicht nur Europas Souveränität, Binnenmarkt und Wettbewerbsfähigkeit, sondern ermöglicht allen – Menschen und Unternehmen – auch eine aktive Teilhabe daran.

Weiterführende Links:

EU-Richtlinie zur Barrierefreiheit

Europas Weg zwischen Regulierung, Innovation und Verantwortung

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Leadership & HR
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Diversity