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Europameister Clemens Doppler über Erfolgreiche 2er-Teams als Game Changer

Clemens Doppler ist als Beachvolleyballer Vize-Weltmeister, zweifacher Europameister und vierfacher Olympiateilnehmer. Er ist überzeugt: Ein starkes Team erkennt man nicht daran, dass alles glatt läuft, sondern daran, wie es unter Druck zusammenarbeitet. Wir sprechen darüber, wie man Erfolgsrezepte aus dem Spitzensport aufs Business und insbesondere auf die Zusammenarbeit Assistenz-Vorgesetzte übertragen kann.

Business Circle: Sehr geehrter Herr Doppler, eingangs etwas Allgemeines: Inwiefern kann Spitzensport als Vorbild für Unternehmertum oder Führungsverhalten gelten? Passen solche Vergleiche oder werden sie eher überstrapaziert?

Clemens Doppler: Der Vergleich zwischen Spitzensport und Unternehmertum wird gern gezogen und manchmal auch überstrapaziert. Trotzdem gibt es zentrale Prinzipien, die beide Welten verbinden. Erfolg entsteht weder im Sport noch im Business durch Talent allein, sondern durch Disziplin, kontinuierliche Entwicklung, den richtigen Umgang mit Rückschlägen, mit einem starken Team usw. Gerade beim Thema Führung gibt es viele Parallelen: Erfolgreiche Teams brauchen ein gemeinsames Ziel, Vertrauen und klare Rollen. Die Aufgabe einer Führungskraft ist es, ein Umfeld zu schaffen, in dem Menschen ihr Potenzial entfalten können. Spitzensport ist deshalb keine Blaupause für Unternehmertum, aber eine starke Inspirationsquelle für Leadership, Teamarbeit und nachhaltigen Erfolg.

BC: Sie waren als Beach-Volleyballer Teil eines Hochleistungs-Duos. Was unterscheidet ein erfolgreiches Duo fundamental von einem Team mit vier oder zehn Mitarbeitern?

Doppler: Die Teamgröße spielt aus meiner Sicht eine eher untergeordnete Rolle. Ob zwei oder zehn Personen, die Grundlagen für Erfolg bleiben dieselben: Vertrauen, klare Kommunikation, gemeinsame Ziele und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Im Beachvolleyball gibt es keine Möglichkeit, sich zu verstecken. Jeder Fehler und jede Entscheidung haben unmittelbare Auswirkungen auf den Teampartner. Diese Konsequenz schärft das Bewusstsein dafür, wie wichtig Verlässlichkeit und gegenseitiges Vertrauen sind. In Unternehmen ist die Dynamik komplexer, die Prinzipien bleiben jedoch identisch: Erfolgreiche Teams entstehen durch das Zusammenspiel der Menschen und nicht durch die Summe einzelner Talente.

BC: Wie sehen Sie das Zusammenspiel von Sympathie und Vertrauen? Entsteht Vertrauen durch Sympathie oder eher dadurch, dass jemand unter Druck zuverlässig liefert?

Doppler: Sympathie kann eventuell den Einstieg erleichtern. Vertrauen entsteht aus meiner Sicht aber durch Verlässlichkeit. Im Spitzensport muss ich wissen, dass mein Partner auch unter Druck die richtigen Entscheidungen trifft und Verantwortung übernimmt. Ob wir beste Freunde sind oder nicht, ist für mich dabei zweitrangig. Das gilt genauso im Unternehmen. Sympathie schafft eine angenehme Zusammenarbeit, nachhaltiges Vertrauen entsteht jedoch erst, wenn Menschen ihre Zusagen einhalten, offen kommunizieren und auch in schwierigen Situationen füreinander einstehen. Gerade unter Druck zeigt sich, wie belastbar Vertrauen wirklich ist.

BC: Gerade Assistentinnen sind oft Kommunikationsdrehscheibe zwischen Management und Team. Wie wichtig ist diese Rolle aus Ihrer Sicht für den Erfolg eines gesamten Systems?

Doppler: Ich persönlich halte diese Rolle für sehr, sehr, sehr wichtig. Im Spitzensport gibt es oft Menschen im Hintergrund, die dafür sorgen, dass sich das Team auf seine Leistung konzentrieren kann. Ohne sie würde vieles nicht funktionieren. Genauso sehe ich die Rolle von Assistentinnen. Sie sind häufig die Kommunikationsdrehscheibe, koordinieren Abläufe, erkennen Stimmungen frühzeitig und verbinden Management und Team. Damit leisten sie einen entscheidenden Beitrag zu einer funktionierenden Unternehmenskultur.

Goldmedaillen gewinnt man nicht an einem einzigen Tag

BC: Auf der Success sprechen Sie unter dem Motto: "Consistency beats intensity." Welche Routine aus Ihrer aktiven Sportkarriere hat Ihnen als Unternehmer am meisten geholfen?

Doppler: Die wichtigste Routine war und ist, jeden Tag die kleinen Dinge konsequent zu erledigen – unabhängig davon, ob ich motiviert war oder nicht. Man gewinnt man keine Medaille durch ein außergewöhnliches Training, sondern durch tausende durchschnittliche Trainingseinheiten, die man konsequent absolviert. Genau dieses Prinzip begleitet mich heute als Unternehmer. Erfolg entsteht selten durch einzelne Höchstleistungen, sondern durch Kontinuität. Deshalb versuche ich, jeden Tag einen kleinen Schritt in die richtige Richtung zu machen. Denn langfristig schlägt Konsequenz IMMER kurzfristige Intensität.

BC: "How to manage your boss". Im Sport gibt es Trainer, Sponsoren, Betreuer, Partner und weitere Stakeholder. Kann man seine Führungskraft tatsächlich "führen", ohne ihre Autorität infrage zu stellen?

Doppler: Absolut. „Managing your boss“ bedeutet für mich nicht, die Führungskraft zu lenken, sondern die Zusammenarbeit aktiv mitzugestalten. Auch im Profisport können nur dann gute Entscheidungen getroffen werden, wenn  Trainer, Partner und Betreuer die richtigen Informationen bekommen und vor allem offen kommuniziert wird.
Auch in Unternehmen gilt - Wer Verantwortung übernimmt, proaktiv kommuniziert, Erwartungen klärt und Lösungen statt Probleme aufzeigt, stärkt die Führungskraft und nicht ihre Autorität.

BC: Abschließend: Wenn Sie den Teilnehmerinnen der SUCCESS nur einen einzigen Rat für die Zusammenarbeit mit ihrem Chef oder ihrem Team mitgeben dürften, welcher wäre das?

Doppler: Mein Rat wäre: Verantwortung proaktiv übernehmen -  auch für Dinge, die nicht ausdrücklich in der Stellenbeschreibung stehen Erfolgreiche Teams bestehen aus Menschen, die mitdenken, proaktiv handeln und Verantwortung übernehmen. Wartet nicht darauf, dass euch jemand sagt, was zu tun ist, sondern bringt euch mit Ideen und Lösungen ein.

BC: Lieber Herr Doppler, herzlichen Dank für das inspirierende Gespräch und die vielen praxisnahen Impulse. Wir freuen uns schon jetzt auf Ihren Auftritt bei der SUCCESS!

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