More Time to Lead. Wie Hilmar Kroat-Reder von Borealis People & Culture neu denkt
Business Circle: Sehr geehrter Herr Dr. Kroat-Reder, eingangs etwas Persönliches: Sie kommen aus der internationalen M&A-Beratung und waren Executive Board Member im Energiegeschäft – heute verantworten Sie global People & Culture bei Borealis. Was hat Sie bewogen, Ihren Weg genau so zu gehen?
Hilmar Kroat-Reder: Danke für diese Einstiegsfrage! In meinen verschiedensten, internationalen Führungsaufgaben wurde mir klar, dass es am Ende des Tages Menschen sind, die eine Organisation und deren Kultur ausmachen und damit die Leistung eines Unternehmens extrem beeinflussen. Dies gemeinsam mit dem Vorstand und der gesamten Führungsriege für einen großen, globalen Konzern gestalten zu dürfen, ist eine extrem spannende Aufgabe.
BC: Der One-Stop-Shop-Gedanke führt zu starker Zentralisierung. Wo lauern Gefahren von Intransparenz oder Kontrollverlust für Führungskräfte?
Kroat-Reder: Harmonisierung ist eine Voraussetzung für Digitalisierung. Genau diese Harmonisierung macht es jedoch für Führungskräfte einfacher und transparenter ihre Mitarbeitenden in den unterschiedlichen Ländern dieser Erde zu führen. Zudem reduziert es den administrativen Aufwand für Führungskräfte erheblich, so dass sie mehr Zeit haben, um sich um ihrer Mitarbeitenden sowie ihre Kunden zu kümmern. Wir fassen dies unter dem Slogan „more time to lead“ zusammen.
BC: Was passiert konkret mit den Ressourcen, die durch Automatisierung/Digitalisierung frei werden? Mehr Freiräume für kreative, wertschöpfende Projekte, Umschulung, strategische Neupositionierung – oder am Ende doch Stellenabbau?
Kroat-Reder: Wir haben genau angesehen, wieviel Zeit sich die KollegInnen ersparen sowohl durch die Nutzung des Tools als auch bei uns in P&C. Wie bereits erwähnt, bringt diese Zeitersparnis mehr Raum für Kunden und Mitarbeitende. Uns in P&C ermöglicht dies unseren Schwerpunkt auf strategische Aufgaben, wie Organisations- und Kulturentwicklung zu legen, die ein bedeutend höheres Wertschöpfungspotential für das Unternehmen haben. Dies erfordert teilweise neue und andere Fähigkeiten. Dazu bieten wir unseren Mitarbeitenden gezielte und personalisierte Entwicklungsmöglichkeiten an.
BC: KI im P&C-Management arbeitet mit hochsensiblen Daten – Leistungsdaten, Gesundheitsaspekte, Verhaltensmuster.
Wo ziehen Sie speziell als Jurist die rechtliche und allgemein ethisch die rote Linie, auch wenn die Technologie mehr könnte?
Kroat-Reder: Wir haben von Beginn unserer Reise an den Betriebsrat und unsere Digital Solutions KollegInnen eng eingebunden. Damit konnten wir nicht nur Vertrauen schaffen sondern auch sicherstellen, dass wir innerhalb des rechtlichen Rahmens bleiben und die Anregungen der Belegschaftsvertretung mitberücksichtigen. Allerdings entwickelt sich das Thema KI so rasant, dass sich neue ethische Themen stellen. Diese erörtern wir in dem neu geschaffenen Digital Governance Board.
BC: Welche KPIs nutzen Sie zur Erfolgsmessung: Kostensenkung, Durchlaufzeiten, kulturelle Indikatoren wie Vertrauen und Bindung oder etwas ganz Anderes?
Kroat-Reder: Im ersten Schritt ist mir die Adoption Rate ganz wichtig, dh wieviele Mitarbeitende die geschaffenen Tool nützen. Im zweiten Schritt ist es die Zeitersparnis, die zu höherer Produktivität führt und erst im dritten Schritt Kosteneffizienz.
eliminate – simplify – automate
BC: „Don’t trust the hype“: Was ist aus Ihrer Sicht der größte Denkfehler, den Unternehmen beim Thema P&C-Digitalisierung machen?
Kroat-Reder: Bestehende Prozesse 1:1 digitalisieren zu wollen. Dies führt jedoch zu keiner Verbesserung. Wir implementieren diese Tools um für unsere Kunden, dh unsere Mitarbeitenden, einen bessere Employee Experience zu schaffen. Daher gehen wir dabei nach einem simplen aber sehr wirkungsvollen Prinzip vor: eliminate – simplify – automate. Wir fragen uns also, braucht es den Prozess überhaut, wenn nicht, streichen wir ihn; wenn er jedoch erforderlich ist, machen wir ihn einfachen z.B. weniger Zustimmungen, weniger Prozessschritte und erst danach wird der Prozess automatisiert und von unserem Digital Assistant verwaltet und abgewickelt.
BC: Abschließend: Wir gehen jetzt schon ein sehr langes Stück gemeinsamen Weges, was begeistert Sie an den Konferenzen von Business Circle?
Kroat-Reder: Es sind insbesondere zwei Aspekte, die mir bei Business Circle imponieren. Einerseits die hohe Qualität des fachlichen Dialogs und andererseits die persönliche Atmosphäre, die bei den Veranstaltungen geschaffen wird.
BC: Sehr geehrter Herr Dr. Kroat-Reder, vielen Dank für diesen offenen Einblick und Ihre Perspektiven aus der Praxis. Wir freuen uns, Sie bald wieder bei uns auf der Bühne begrüßen zu dürfen.

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