Human Impact Days: Martin Stein über People, Performance und Purpose im KI-Zeitalter
BC: Sehr geehrter Herr MMag. Stein, Sie sind Personalleiter & Teil der Geschäftsführung bei Hilti Österreich. Möchten Sie uns eingangs kurz beschreiben, was für Sie die wichtigsten Stationen auf dem Weg dorthin waren
Martin Stein: Für mich waren es neben einer möglichst breiten Ausbildung (HTL, VWL & Psychologie) und den beruflichen Stationen bei A1 und Hilti, in denen ich professionelle Personalarbeit aus unterschiedlichen Blickwinkeln kennenlernen durfte, vor allem drei prägende Lernerfahrungen: Erstens die Wichtigkeit „Nähe zum Business“ herzustellen – das Verständnis dafür, wie Wertschöpfung entsteht, was Kund:innen wirklich brauchen. Zweitens Führung in unterschiedlichen Kontexten kennenlernen: Teams entwickeln, Entscheidungen treffen, Verantwortung übernehmen – auch dann, wenn es keine perfekte Datenlage gibt. Und drittens die konsequente Professionalisierung von HR: hin zu einem gestaltenden Partner, der Strategie in Fähigkeiten, Kultur, Organisation und Leadership übersetzt. Diese Kombination war und ist der rote Faden meiner Entwicklung.
BC: Warum Human Impact Days – und welcher Mehrwert muss entstehen?
Stein: Der Schritt war notwendig, weil sich die großen HR-Fragen heute nicht mehr in Silos beantworten lassen. Transformation, Skill-Gaps, Performance, Kultur, Technologie und Leadership sind ein System – und genau dieses System wollen wir auf die Bühne bringen. Mehrwert entsteht dann, wenn die Konferenz nicht nur inspiriert, sondern Orientierung und Umsetzungsfähigkeit liefert: klare Prioritäten, konkrete Tools/Frameworks, Beispiele aus der Praxis, ehrlicher Austausch auf Augenhöhe – und idealerweise ein „Was mache ich am Montag anders?“-Ergebnis für jede Zielgruppe.
BC: Wo entstehen die größten Reibungsverluste – und wie macht man sie produktiv?
Stein: Die größten Reibungsverluste sehe ich typischerweise an folgenden Schnittstellen:
(1) Strategie vs. Umsetzung – wenn Ziele klar sind, aber Rollen, Ressourcen oder Skills fehlen.
(2) HR/L&D vs. Führung – wenn Entwicklung erwartet wird, Führung aber nicht als Teil des Jobs verstanden wird.
(3) Geschwindigkeit vs. Governance – wenn Tempo gebraucht wird, Prozesse aber bremsen.
Produktiv wird Reibung, wenn wir sie bewusst „designen“: gemeinsame Ziele, klare Verantwortlichkeiten, datenbasierte Entscheidungen, Feedbackschleifen und Formate, in denen Konflikte früh sichtbar werden. Reibung ist dann kein Störfaktor, sondern ein Signal, wo das System nachjustiert werden muss.
BC: People–Purpose–Performance: Wo sind die Zielkonflikte, gibt es einen Königsweg?
Stein: Die Zielkonflikte sind real: Kurzfristige Performance kann langfristige People-Themen beschädigen (Überlastung, Fluktuation, Qualität). Purpose ohne Performance bleibt hingegen ein Plakat. Und People ohne klare Erwartungen führt oft zu Mittelmaß. Einen Königsweg gibt es nicht – aber ein robustes Vorgehen: Klarheit über Strategie und Prioritäten, ein gemeinsames Zielbild, das Verhalten belohnt (nicht nur Ergebnisse), und Führung, die konsequent zwischen „fordern und fördern“ balanciert. Ich halte viel von einem integrierten Steuerungsmodell: Business-KPIs plus People-Kennzahlen – außerdem braucht es Mut, Zielkonflikte transparent zu machen statt sie zu verdecken.
BC: KI spart Zeit – was sollen Unternehmen mit der gewonnenen Zeit tun?
Stein: Die entscheidende Frage ist nicht Technologie, sondern Betriebsmodell und Haltung. Ich sehe drei sinnvolle Reinvestitionen: Erstens Produktivität dort steigern, wo sie Kundennutzen erhöht (Servicequalität, Geschwindigkeit, Fehlerreduktion). Zweitens Arbeit neu schneiden: Routine raus, mehr Zeit für Wertschöpfung, Beratung, Problemlösen, Lernen. Drittens Skills aufbauen – denn KI verschiebt Kompetenzprofile massiv. Stellenabbau kann punktuell passieren, aber nachhaltig erfolgreich sind Unternehmen, die Rollen aktiv redesignen und die Transformation sozial sauber managen: Qualifizierung, interne Mobilität, klare Kommunikation, faire Übergänge.
Was KI nicht kann: Beziehungsarbeit, Verhandeln, Führen, Konfliktlösung
BC: Welche Jobprofile bleiben von KI kaum berührt – und wo unterschätzen wir menschliche Kompetenzen?
Stein: Am wenigsten berührt bleiben Tätigkeiten mit hoher Kontextkomplexität und Verantwortung: echte Beziehungsarbeit, Verhandeln, Führen, Konfliktlösung – und Rollen mit physischer Ausführung oder Sicherheitsverantwortung. KI kann unterstützen, aber nicht die menschliche Vertrauensbasis, moralische Abwägung und situative Entscheidung ersetzen. Unterschätzt werden nach wie vor: Empathie als Führungsinstrument, Sensemaking in Unsicherheit, kreative Problemlösung über funktionale Grenzen hinweg und die Fähigkeit, Menschen durch Veränderung zu begleiten. Gerade diese Kompetenzen entscheiden am Ende über Umsetzung – und Umsetzung ist der Engpass.
BC: Führung unter Erwartungsdruck: Welche Fähigkeiten werden erfolgskritisch, welche verlieren an Bedeutung?
Stein: Erfolgskritisch werden aus meiner Sicht vier Dinge sein: (1) Priorisieren und Entscheiden in Unsicherheit – weniger Perfektion, mehr Klarheit. (2) Coaching-Leadership: Menschen entwickeln, Performance ermöglichen, psychologische Sicherheit schaffen. (3) Systemdenken: Silos verbinden, End-to-End-Verantwortung fördern, (4) Daten- und KI-Kompetenz: nicht alles selbst können, aber die richtigen Fragen stellen, Risiken verstehen, Qualität sichern. An Bedeutung verlieren u.a. „Command & Control“ oder auch Informationshoheit als Macht. Führung wird weniger „Ansage“ und mehr „Rahmen schaffen, in dem andere liefern können“.
BC: Was war für Sie das Besondere an der PoP – über 15 Jahre gemeinsame Wegstrecke?
Stein: Das Besondere an der PoP war für mich immer die Kombination aus Community und Substanz. Kein reines Bühnenprogramm, sondern ein Ort, an dem man offen über echte Herausforderungen sprechen konnte – mit Menschen, die Verantwortung tragen und umsetzen müssen. Diese Mischung aus Inspiration, Praxisnähe und ehrlichem Austausch macht den Unterschied. Und über die Jahre ist daraus etwas sehr Wertvolles entstanden.
BC: Sehr geehrter Herr MMag. Stein, wir danken Ihnen dafür, dass Sie uns schon so lange die Treue halten und freuen uns, Sie bald wieder live auf unserer Bühne zu begrüßen!

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