Leave no one behind: Talente & Kultur als Bewegung statt Eliteprogramm. Interview mit Julia Schwarz von der HENN GmbH
Business Circle: Sehr geehrte Frau Schwarz, haben sich innerhalb der HENN GmbH kontinuierlich weiterentwickelt, möchten Sie unserem Publikum eingangs kurz skizzieren, wie Sie Ihr Weg war und was Sie besonders motiviert hat?
Julia Schwarz: Vielen Dank zunächst für die Einladung. Ich bin seit 2012 im Unternehmen und damals als Assistenz der Geschäftsführung sowie in der Buchhaltungsvorbereitung eingestiegen – ein klassisches „Mädchen für alles“. Zu diesem Zeitpunkt waren wir rund 25 Mitarbeiter:innen, und es war ganz selbstverständlich, mehrere Aufgabenbereiche parallel zu übernehmen.
Mit dem starken Wachstum (heute sind wir in der Gruppe 450 MA, weltweit) des Unternehmens wurden die Strukturen nach und nach spezialisierter. Für mich bedeutete das die große Chance, in unterschiedlichste Bereiche hineinzuschnuppern. Genau das hat mich sehr motiviert: Ich konnte viel ausprobieren, Erfahrungen sammeln und mich schließlich bewusst für den Bereich entscheiden, der mir am meisten liegt – und mich dort gezielt weiterentwickeln.
BC: „Alle gestalten mit“ klingt sympathisch – aber auch anspruchsvoll. Wie übersetzt man diesen Anspruch in konkrete Strukturen?
Schwarz: Unsere Unternehmenskultur basiert grundsätzlich auf Partizipation. Wir versuchen, unsere Mitarbeiter:innen – wo immer möglich – aktiv einzubinden. Ein wichtiges Instrument dafür ist unter anderem unser Intranet ‚HENNry‘, über das wir (fast) alle erreichen und informieren können. Darüber hinaus legen wir großen Wert auf transparente Kommunikation und Beteiligungsformate, die es ermöglichen, Ideen einzubringen und gemeinsam an Themen zu arbeiten.
BC: HENN ist ein klassisches Technik-Unternehmen. Wie unterschiedlich ticken White-Collar- und Blue-Collar-Worker beim Thema Arbeitgeberattraktivität – und was funktioniert im Recruiting für Techniker eben nicht über klassische HR-Kampagnen?
Schwarz: Grundsätzlich verfolgen wir hier keinen strikt getrennten Ansatz. Natürlich haben wir unterschiedliche Maßnahmen ausprobiert – etwa Social-Media-Recruiting, das mal mehr und mal weniger erfolgreich ist. Sehr gute Erfahrungen machen wir hingegen mit „Mitarbeiter:innen werben Mitarbeiter:innen“. Gerade im technischen Umfeld spielt Glaubwürdigkeit eine große Rolle – persönliche Empfehlungen funktionieren hier oft besser als klassische HR-Kampagnen.
Der Weg zum „Best Workplace Austria 2025“
BC: HENN wurde als „Best Workplace Austria 2025“ ausgezeichnet. Herzlichen Glückwunsch dazu! Was waren aus Ihrer Sicht die entscheidenden Erfolgsfaktoren?
Schwarz: Vielen Dank!
Ich bin überzeugt, dass unser konsequentes Dranbleiben ein zentraler Erfolgsfaktor ist. Wir führen seit 2012 regelmäßig – jährlich bzw. im Zwei-Jahres-Rhythmus – Mitarbeiter:innenbefragungen durch. Noch wichtiger als die Befragung selbst ist aber, dass wir aus den Ergebnissen konkrete Maßnahmen ableiten und diese gemeinsam umsetzen. Ganz im Sinne unseres Leitsatzes: „Alle gestalten mit“.
BC: Vom Tellerwäscher zu Millionär – vom Lehrling zum Vorstand. Inwiefern wird der interne Personalpool bei der Bewerbersuche genutzt und wie helfen neue (digitale) Tools dabei, verborgene Talente zu erkennen?
Schwarz: Unser internes „Next Level Team“ wird bei solchen Überlegungen selbstverständlich eingebunden. Zusätzlich beschäftigen wir uns laufend mit unserer Nachfolgeplanung. Aktuell ist diese zwar noch nicht digitalisiert, sondern klassisch in Excel abgebildet, aber wir behalten potenzielle Entwicklungspfade sehr bewusst im Blick.
BC: Noch etwas Persönliches: Wenn Sie auf Ihren eigenen Weg zurückblicken – was würden Sie jungen Menschen raten, die sich entwickeln wollen, aber noch nicht wissen, wohin? Und was würden Sie Führungskräften sagen, die glauben, Potenzial „erkennen“ zu müssen, statt es entstehen zu lassen?
Schwarz: Ich halte es für extrem wichtig, vieles auszuprobieren und Chancen, die sich bieten, auch wirklich zu nutzen.
Führungskräfte sollten lernen, Menschen frühzeitig zu fördern und zu fordern. Das braucht Fingerspitzengefühl und ehrliche Kommunikation. Es geht darum zu spüren, wem man welche Aufgaben zutrauen kann – und wer an welchen Herausforderungen wachsen und sich weiterentwickeln kann. Entwicklung entsteht oft erst durch Vertrauen und Verantwortung.
BC: Abschließend: Das wird Ihr erster Auftritt als Vortragende bei uns, Glückwunsch dazu! Warum ist es in Ihren Augen wichtig, dass sich die HR-Community auch live vernetzt und worauf freuen Sie sich am meisten?
Schwarz: Danke – ja, tatsächlich: raus aus der Komfortzone und rein ins Abenteuer 😊
Bei uns in Vorarlberg sagt man: „Mit am reda kummand d’Lüt zem“ – durch Reden kommen Menschen zusammen. Ich bin überzeugt, dass durch persönlichen Austausch und echtes Netzwerken Möglichkeiten entstehen, die man alleine nicht schaffen würde.
Ich freue mich daher besonders auf den Austausch, das Vernetzen und das gemeinsame Gestalten.
BC: Sehr geehrte Frau Schwarz, wir danken Ihnen für dieses Gespräch – und für den klaren Blick darauf, wie Vertrauen, Beteiligung und Konsequenz langfristig Wirkung entfalten. Wir freuen uns sehr, bei den Human Impact Days mehr davon zu hören.

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