ESG Performance Ranking von PwC: Österreichs Unternehmen zwischen Pflicht, Ambition und Wirkung
Die Analyse basiert auf 22 Kriterien, die sich an den European Sustainability Reporting Standards (ESRS) der EU orientieren und legt den Fokus nicht nur auf Transparenz, sondern vor allem auf messbare Verbesserungen der ESG-Performance über die letzten Jahre.
Ein zentrales Ergebnis: Nur 8 % der Unternehmen konnten in den vergangenen drei Jahren ihre CO₂-Emissionen sowohl absolut als auch relativ zum Umsatz reduzieren, wenn man Scope 1- und Scope 2-Emissionen betrachtet. Weitere 30 % erzielten zumindest eine teilweise Dekarbonisierung ihres Kerngeschäfts. Trotz deutlicher Ambitionen – rund 61 % setzen sich messbare CO₂-Reduktionsziele, davon 17 % validiert durch die Science Based Targets initiative – zeigt die Studie, dass die Transformation der Wirtschaft hin zu echter Klimawirkung derzeit eher träge verläuft.
Fortschritte und Grenzen im Reporting
Beim Berichtswesen selbst gibt es Fortschritte: 48 % der Unternehmen messen bereits alle drei Emissions-Scopes (Scope 1, 2 und 3). Das bedeutet, fast die Hälfte der analysierten Unternehmen erfasst nicht nur direkte Emissionen aus der eigenen Produktion (Scope 1) und Energiebezug (Scope 2), sondern auch indirekte Emissionen entlang der Wertschöpfungskette (Scope 3). Dennoch zeigt der Blick auf die Gesamtergebnisse, dass die Durchdringung von Nachhaltigkeitsdaten noch nicht als strategischer Vorteil genutzt wird.
Die durchschnittliche ESG-Performance aller 161 Unternehmen liegt bei 31 %, ein Wert, der gegenüber dem Vorjahr (32 %) kaum gestiegen ist – trotz deutlich schärferer Bewertungskriterien (Anstieg von 10 auf 22 Kriterien). Kein Unternehmen erreichte die maximale Punktzahl, und 26 % blieben ohne Punkte, wenn also weder Transparenz noch messbare Verbesserung erkennbar war.
Branchen im Vergleich
Die ESG-Performance variiert stark zwischen den Branchen. Am besten schneiden Banken ab (durchschnittlich 54 %), gefolgt von Pharma & Chemie (44 %) und der Telekommunikations-, Medien- & Technologiebranche (39 %). Das deutet darauf hin, dass kapitalmarktorientierte Sektoren sowie regulierte Industrien tendenziell weiter in Richtung systematische Nachhaltigkeitsintegration unterwegs sind.
Ein deutlicher Unterschied lässt sich auch entlang der Frage der Börsennotierung beobachten: Börsennotierte Unternehmen erreichen eine durchschnittliche ESG-Performance von 51 %, mehr als doppelt so viel wie nicht-gelistete Unternehmen (21 %). Dieser Unterschied wird unter anderem mit dem früheren regulatorischen Reportingdruck erklärt, etwa durch das österreichische Nachhaltigkeits- und Diversitätsverbesserungsgesetz (NaDiVeG), das börsennotierte Unternehmen früher zur Berichterstattung zwang.
Governance-Faktoren als Erfolgsindikatoren
Ein besonders aufschlussreicher Befund der Studie ist die starke Korrelation zwischen formaler ESG-Governance und Performance. Unternehmen, die ESG-Kriterien in die Management-Vergütung integrieren, erreichen durchschnittlich 57 % ESG-Performance, mehr als dreimal so viel wie Unternehmen ohne entsprechende Anreize (18 %). Ebenso zeigt sich, dass Firmen mit weiblicher Vorstandsbeteiligung deutlich bessere Ergebnisse erzielen als rein männlich geführte Unternehmen.
Noch stärker wirkt sich eine institutionalisierte ESG-Governance aus: Unternehmen mit einem eigenständigen ESG-Ausschuss im Aufsichtsrat erreichen im Schnitt 65 %, während diejenigen ohne formale Struktur im Aufsichtsrat deutlich schlechtere Ergebnisse erzielen. Das unterstreicht den Effekt, den strukturelle Verankerung von Nachhaltigkeitskriterien auf die tatsächliche Performance haben kann.
Regulatorischer Kontext: EU-Omnibus-Update
Parallel zu den Ranking-Ergebnissen hat das Europäische Parlament im Dezember 2025 die angepassten Vorgaben und Schwellenwerte für Nachhaltigkeitsberichterstattung und Sorgfaltspflichten verabschiedet: Berichterstattungspflichten wurden deutlich verschärft und gelten für Unternehmen ab 1.000 Mitarbeitenden und 450 Mio. € Umsatz, während größere Schwellenwerte für Lieferkettensorgfaltspflichten eingeführt wurden. In Österreich bleiben dadurch weiterhin über 150 Unternehmen berichtspflichtig.
Fazit
Das ESG Performance Ranking 2025 zeigt: Österreichs Wirtschaft hat bei Nachhaltigkeit und ESG klare Ambitionen. Doch die Übersetzung dieser Ambitionen in messbare Ergebnisse bleibt in vielen Fällen unzureichend. Diejenigen Unternehmen, die ESG systematisch in Governance-Strukturen verankern, datenbasierte Emissionsmessung betreiben und ESG-Ziele in strategische Anreizsysteme integrieren, stehen im Ranking deutlich besser da. Für alle anderen bleibt die Herausforderung bestehen, Nachhaltigkeit nicht nur zu berichten, sondern wirklich zu gestalten
Die vollständige Studie inkl. Best-Practices und Branchenführer finden Sie auf der Homepage von PwC.

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